Enoq – Wie ich do

Enoq, Dicker, ich spuck' Rap­per aus den Schu­hen.
Stam­mel' eine Zei­le, Dicker, Rap ist wie­der cool.

Slang auf Deng­lisch, unglück­lich ver­liebt sein, Yas­sin, Falco-​Reminiszenzen: Enoqs EP "Wie ich do" ver­bin­det Din­ge, die man für gewöhn­lich kaum im sel­ben Satz erwäh­nen wür­de. Um her­aus­zu­fin­den, ob und wie das alles zusam­men­passt, braucht man ledig­lich einen Inter­net­zu­gang und zwan­zig Minu­ten Zeit.

Der Ber­li­ner Hüne fiel bis­lang vor allem mit sei­nem Fea­ture auf dem nor­ma­len Album von Audio88 & Yas­sin aus der ver­gan­ge­nen Spiel­zeit auf. Auf "Täter oder Opfer" stell­te er dabei mit sei­ner Stra­ßen­at­ti­tü­de einen inter­es­san­ten Kon­trast zu dem schwer kate­go­ri­sier­ba­ren Duo dar. Eine pas­sen­de Schub­la­de gibt es aller­dings auch für Enoq nicht. Im Song "Intro – Nichts & Nie­mand" stellt er einen bereits vor die schwie­ri­ge Auf­ga­be, die vie­len dop­pel­ten Ver­nei­nun­gen, die er ver­wen­det, in Text­ver­ständ­nis umzu­mün­zen. Man könn­te ver­mu­ten, dass es sich um eine Adap­ti­on aus dem Afri­can Ame­ri­can Ver­na­cu­lar English, also dem Eng­lisch der Afro­ame­ri­ka­ner, han­delt. Das wür­de nahe lie­gen, da eine Ver­mi­schung des Eng­li­schen mit dem Deut­schen bereits im Titel der EP steckt. Unab­hän­gig von sprach­wis­sen­schaft­li­chen Über­le­gun­gen macht "Wie ich do" vor allen Din­gen rich­tig Spaß. Dazu muss man nicht alles, was Enoq sagt, sofort ver­ste­hen. Er trägt sei­ne Tex­te durch­ge­hend laid-​back vor. Anstatt sich in rap­t­ech­ni­schen Spie­le­rei­en zu ver­lie­ren, legt er mehr Wert auf Aus­druck, was ihn in Ver­bin­dung mit sei­ner druck­vol­len Stim­me beson­ders aus­zeich­net. Sein Style ist in sei­ner Ein­fach­heit äußerst ela­bo­riert. Mit der deut­schen Rap­sze­ne will er nichts zu tun haben, denn die­se ist laut dem gleich­na­mi­gen Track "0815". Neben der Lie­be zum Spiel macht er sei­ne Musik auch ein "biss­chen für den Fame", denn er ist ein "Ego­ist" wie die öster­rei­chi­sche Musik­le­gen­de Fal­co, des­sen gleich­na­mi­ger Song hier zitiert wird. Auf Stress hat er kei­ne Lust, statt­des­sen will er lie­ber mit Gras und Bier in der Son­ne chil­len, wie auf "Mei­ne Stadt kocht" mit Zwang, das mit einer Inter­po­la­ti­on von DJ Jaz­zy Jeff & The Fresh Prin­ces "Sum­mer­ti­me" auf­war­tet. Dabei wol­len er und Yas­sin aller­dings nicht von quä­len­den Gedan­ken an die eine Frau, mit der es ein­fach nicht sein soll, abge­lenkt wer­den ("Raus aus mei­nem Kopf").

Auf exzel­len­ten Beats der Mar­ke Neo-​Boom bap prä­sen­tiert sich Enoq als selbst­be­wuss­ter Hän­ger mit trot­zi­ger Anti­hal­tung, die auf­grund sei­nes recht anspruchs­lo­sen Life­styles kei­nes­wegs eli­tär wirkt wie bei vie­len ande­ren chro­ni­schen Nörg­lern. Lan­ge gab es hier­zu­lan­de kei­nen so außer­ge­wöhn­li­chen New­co­mer mehr wie den Ber­li­ner, der auf "Wie ich do" neben sei­nem Rap auch durch sein Talent, die ein oder ande­re Zei­le oder Hook geschmei­dig ein­zu­sin­gen, posi­tiv auf­fällt.

(Stef­fen Bau­er)