Dawit – Odyssee

Ich mach' Rap, weil ich's bin, und du legst ihn zur Seite.
Dawit – der Erste und der Letzte, der zweifelt.

Die "Odyssee", das zweite dem griechischen Dichter Homer zugeschriebene Epos, erzählt von der Irrfahrt des Odysseus am Ende des trojanischen Kriegs. "Odyssee", das dritte vom Dortmunder Rapper DLG verfasste Album, erzählt von den Irrwegen seiner Karriere und den Aufs und Abs in seinem Leben. Dass es sich dabei streng genommen um Dawits Debütalbum handelt, kann beruhigt außen vor gelassen werden, wurde die Namensänderung doch mittlerweile wieder verworfen. Das neue Werk kann also getrost in DLGs bisherige Diskografie eingereiht werden. Passt es da aber überhaupt hin?

Absolut. Denn weder inhaltlich noch stilistisch unterscheiden sich Dawit und DLG. Der Sound ist melodisch und sanft, der Text nachdenklich und ruhig. Als ein enttäuschter, fast verbitterter "Odysseus" spricht Dawit vom einsamen Irrweg des Künstlers, der nicht so recht verwirklichen kann, was er eigentlich erreichen möchte. Nebenbei färbt das Erwachsenwerden Gemüt und Horizont des jungen Mannes "tiefschwarz". Eigentlich müsste er sich aufraffen, "Koffer packen und weg von hier", wagt den Aufbruch dann jedoch "vielleicht lieber morgen", wenn der "Nachtdenker" bis zum Morgengrauen über Gott und die Welt gegrübelt hat. Die passenden instrumentalen Untermalungen dazu stammen größtenteils von Dawit selbst und seinem Bruder Kenika. Sie bewegen sich allesamt in einem sehr emotionalen, melodiösen Klangspektrum, ohne allzu viel "harten" HipHop-Sound. Zu melodramatisch endet die "Odyssee" nach 14 Songs allerdings nicht. Stattdessen bringt der Rapper seine Reise durch Selbstreflexion, Versagensängste, aber auch die kleinen und großen Erfolge im Leben mit einem "Million Dollar Smile" zum Abschluss.

Wo Odysseus am Ende der "Odyssee" wieder in seiner Heimat Ithaka ankommt, scheint Dawit noch lange nicht da zu sein, wo er hin will. Der Rapper wird sich also bald schon weiter Richtung Erfolg und zur nächsten Etappe seiner Karriere aufmachen – dann vermutlich wieder offiziell als DLG.

(Daniel Fersch)

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