Cover

Caz – 92 /​ 8

Ich sitz' alleine in mei'm Garten rum ...
Und grabe in der Erde gerade nach Vernunft.

Wenn ein Rapper schon Cazzy Cannaby auf Instagram heißt und mir bisher nur durch Lieder wie "Keiner raucht mehr Ott" in Erinnerung blieb, zeichnet sich vor dem Hören seines Releases schon eine gewisse Erwartungshaltung ab. Natürlich denkt man da zuerst an die nächste, abgedroschene 08/15-EP über das grüne Gold. Was Caz dann aber auf "92/8" abliefert, geht in eine Richtung, die man vorher vom Rapper nur in Auszügen kennenlernen durfte.

Rein soundtechnisch könnte es jedoch tatsächlich die typische "Kiffermusik" sein, die der Rapper in seiner Vergangenheit nur allzu häufig unters Volk mischte. Mit einem stets lässigen Caz und langsamen Beats im Hintergrund kommt "92/8" unglaublich entspannt und locker daher, ohne einmal das Tempo wirklich anzuziehen. Dieses Klang-Konzept geht auf: Der Hörer konzentriert sich trotz der offensichtlichen Sample-Verliebtheit des Produzenten ganz auf den Inhalt. Und der ist eben eigen, tiefgründig und detailverliebt. Hauptsächlich verarbeitet der Bietigheimer dabei die Kritikpunkte seiner jüngst gescheiterten Beziehung, was weniger abgenutzt klingt, als man es vermuten könnte. Natürlich schleichen sich hier und da Phrasen ein, die man schon auf etwaigen Songs über Liebeskummer hörte, doch dies bleibt zum Glück eine Seltenheit. Denn auf seinem neuesten Werk präsentiert sich Caz vor allem von Grund auf ehrlich. Nichts wirkt beim Trip durchs Innenleben des Rappers unecht oder aufgesetzt und vielleicht macht genau das "92/8" so besonders. Nur der Thematik wegen folgen die Tracks einem roten Faden, sonst verliert man sich während dem Hören genauso in Gedanken wie der Rapper selbst.

Ein Konzept, an das man sich bei Caz durchaus gewöhnen könnte. Beruhigen kann man abschließend die Fans, die eigentlich nur mal zum Entspannen in die EP reinhören wollen. Die werden schließlich auch bedient, denn "findest du nur meine Lieder übers Kiffen geil? Ich bin grade high, während ich das schreib'" ("Wer soll mir das glauben").

(Sven Aumiller)