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Lumaraa – Gib mir mehr

Wer tanzt auf je­der Hochzeit? Ich, ich, ich.
Wenn der Pfarrer fragt, dann sag: 'Ich mach' es nicht, nicht, nicht.'

Man kann – ohne da­bei eine Wertung aus­zu­spre­chen – sa­gen, dass deut­scher Rap bis heute über­wie­gend eine Männerdomäne dar­stellt. Warum das so ist, gilt es an an­de­rer Stelle zu klä­ren. Fakt ist: Die Frau hat als MC kei­nen leich­ten Stand, scheint Rap doch bis zum Fundament durch­zo­gen mit se­xis­ti­schen Ansichten und Klischees. Doch die Allmacht des Mannes im Sprechgesang ist kein Naturgesetz – sie ist ge­nauso künst­lich kon­stru­iert wie in der Gesellschaft. Positive Beispiele könn­ten je­doch die tra­dier­ten Muster auf­bre­chen. Im Grunde hätte Lumaraa die pas­sen­den Voraussetzungen dazu, bringt sie doch reich­lich Skills und Selbstbewusstsein mit. Ist ihr neues Release "Gib mir mehr" ein po­si­ti­ves Exempel für Frauenrap?

Schon die ers­ten Takte des Albums las­sen diese Hoffnung jäh zer­schel­len. Der Titeltrack "Gib mir mehr" be­grüßt den Hörer mit ei­nem seicht-​poppigen Beat und reich­lich Singsang von Seiten Lumaraas. Banale Zeilen wie "Von zu viel Schokolade krieg' ich Zahnweh. Liebeskummer lohnt sich nicht, mein Darling" blei­ben keine Seltenheit und wir­ken wie aus dem Poesiealbum ei­nes trot­zi­gen Teenagers ent­nom­men. Thematisch steckt die Rapperin hier schon das Programm der Platte ab. Fortan geht es fast über die kom­plette Laufzeit ent­we­der um ver­flos­sene Liebschaften, Beziehungswehwehchen oder das ei­gene weib­li­che Selbstbewusstsein. Bekannte Themenfelder, die nichts­des­to­trotz viel Potenzial für gute Tracks bie­ten. Leider be­han­delt Lumaraa sie auf die tri­vi­alste Art. Sie be­stä­tigt Klischees und ver­fängt sich da­bei in pa­the­ti­schen Aussagen und nur allzu be­kann­ten Soundkulissen. So kommt etwa die ki­ti­schige Rapballade "Passbild" mit ge­ne­ri­schem Piano-​Instrumental da­her, wäh­rend die Rapperin auf dem von Plastikgitarren be­glei­te­ten "Drachen flie­gen" ab­ge­dro­schene Sprachbilder breittritt. Dem Album ist hier­bei eine ge­wisse Glattheit all­ge­gen­wär­tig. Von Flowpattern über Themen und Lyrics bis hin zu den häu­fi­gen Gesangseinlagen wirkt al­les wie in be­reits vor­ge­fer­tigte Bahnen ge­presst und da­durch vor­her­seh­bar. Variation und Überraschung bie­tet "Gib mir mehr" nur dann, wenn die Protagonistin den letz­ten Refrain der Verlassenen-​Hymne "Fick dich" ab­wan­delt in "Fick mich". Dieses mal adres­siert an den bes­ten Freund des Ex – um es ihm so rich­tig heim­zu­zah­len.

Man merkt, dass Lumaraa nicht erst seit ges­tern rappt: Saubere Reimtechnik be­herrscht sie ge­nauso wie ein si­che­res Taktgefühl. Doch kön­nen die Skills nicht über die in­halt­li­chen und sound­tech­ni­schen Unzulänglichkeiten von "Gib mir mehr" hin­weg­täu­schen. Keiner der Pfade, die die Rapperin ein­schlägt, ist auch nur an­satz­weise neu – ge­schweige denn von ei­nem tie­fe­ren Gehalt. So droht die Platte in der Belanglosigkeit zu ver­schwin­den und deut­scher Rap sei­nen unangenehm-​männlichen Charakter zu be­hal­ten – bis auf Weiteres.

(Florian Peking)

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