TaktlossBasstard_Dogma

Taktloss & MC Basstard – Dogma

"Was?! Du kennst das nicht? Sekunde, ich such' dir das mal raus." – und schon öff­net sich die Plat­ten­kiste. Wer kennt die­sen Moment nicht? Man re­det über Musik und auf ein­mal fällt ein Name – egal, ob von ei­nem Song, ei­nem Künst­ler oder ei­nem Album –, mit dem man nicht so recht et­was anzu­fan­gen weiß. Und plötz­lich ha­gelt es Lob­prei­sun­gen, Hass­ti­ra­den oder Anek­do­ten. Gerade dann, wenn der Gesprächs­part­ner ins Schwär­men ver­fällt und of­fen zeigt, dass ihm das Thema wich­tig ist, bit­tet man nicht allzu sel­ten um eine Kost­probe. Die Musik setzt ein und es be­ginnt, was der Per­son so sehr am Her­zen zu lie­gen scheint. In die­sem Fall – was uns so sehr am Her­zen liegt: Ein Aus­zug aus der Musik, mit der wir et­was ver­bin­den, die wir fei­ern, die uns be­rührt. Ein Griff in un­sere Plat­ten­kiste eben.

 

Wenn Rapper heute da­von spre­chen, ihr neues Album sei "un­ter be­son­de­ren Umständen" ent­stan­den, dann be­deu­tet dies so et­was wie: "Ich hab' mich drei Monate lang in ei­ner Waldhütte in Skandinavien ver­schanzt und dort sämt­li­che Texte ge­schrie­ben", oder: "Zu je­dem Lied gibt es ein von mir mit Fingerfarben ge­mal­tes Bild". Wenn Taktloss & MC Basstard vor zehn Jahren aber von "be­son­de­ren Umständen" re­de­ten, ging es nicht um Urlaub oder ir­gend­wel­che lo­sen Rahmenbedingungen, son­dern um ein kon­se­quen­tes, un­um­stöß­li­ches "Dogma".

Zwei Rapper. Zwei Stunden. Ein Track. Die Idee hin­ter "Dogma – ge­gen die Zeit" be­stand darin, dass der Schaffensprozess ei­nes Tracks – an­ge­fan­gen bei der Produktion des Beats über das Schreiben und Einrappen der Texte bis hin zum Mastering – nie län­ger als zwei Stunden dau­ern durfte. Klingt zu­nächst nach ei­nem selbst­zer­stö­re­ri­schen Korsett, in dem ei­gent­lich nichts Vernünftiges zu­stande kom­men dürfte. Jedoch brach­ten die bei­den Rapper ein äu­ßerst un­ter­halt­sa­mes Album mit, wie könnte es an­ders sein, 22 Anspielstationen her­vor. Die the­ma­ti­sche Vielfalt reichte vom "Geld" über die "Folterkammer" in den "Untergrund" bis hin zu "Ruhm und Ehre" und bot so­mit Hörgenuss für die Fans bei­der Künstler. Ob man nun Gefallen am Horror des klei­nen Mannes fand oder man sich eher für das be­geis­tern konnte, was auch im­mer Deutschraps Helge Schneider Grandioses von sich gab: Niemand wurde ent­täuscht. Auch qua­li­ta­tiv nicht. Denn trotz des straf­fen Zeitplans schuf das Duo mit Titeln wie "Voodoo" und ganz be­son­ders "Horrorclowns" ab­so­lute Highlights der Platte so­wie ih­rer je­wei­li­gen Diskografien, die auch heute noch wun­der­bar funk­tio­nie­ren.

Was man heute in ei­ner 100-​teiligen YouTube-​Videoreihe do­ku­men­tie­ren würde, gab's da­mals noch als DVD dazu. Und so konnte man "live" mit­er­le­ben, wie je­der ein­zelne Track en­stand. Dadurch wur­den die Lieder im ein­zel­nen, aber auch das Gesamtwerk an sich, noch mal von ei­ner ganz an­de­ren Seite be­leuch­tet, was dem Zuschauer er­laubte, ein we­nig hin­ter die Kulissen von "Dogma" und auf die Genialität der bei­den Rapper zu bli­cken.

(Daniel Fersch)

Das Video zu "Horrorclowns" könnt Ihr Euch hier an­schauen.