Nepumuk – Genozid in A-Moll

Im Endeffekt bleiben Kick und Snare meine Waffen.

Nach mehreren Kollabo-Releases mit Loki unter dem Namen Luk&Fil, seinem jüngsten Beitrag zur "Hi-Hat Club"-Reihe von Melting Pot Music und ersten Solo-Versuchen auf Free-EPs kam Ende 2015 endlich das erste Album von Nepumuk. Dafür hat sich der Sichtexot mächtig ins Zeug gelegt und insgesamt 18 Tracks auf Vinyl gepresst.

Auf fast allen davon gilt: Nepumuk rappt, Knowsum macht die Beats. Was übrigens dieselbe Person ist und nicht schlecht funktioniert. Der Mainzer MC geht mit seiner markanten, heiser wirkenden Stimme über entspannte, jazzige Beats. Inhaltlich kann man ihm dabei nicht immer folgen, da er gern ins Dadaistische abdriftet. So verliert er sich in äußerst komplexen Gedankengängen oder hüpft von einem Thema zum nächsten im selben Satz, ohne jeglichen Zusammenhang zu knüpfen: "Ich erzähl' blinden Leuten mein Name sei Niemand – und tanz' ihn den fliegenden Ratten vor" ("Gehirn auf!"). "Genozid in A-Moll" ist textlich somit nichts, was man mal eben nebenbei hört – nein, man muss das Album eigentlich mehrmals hören, um zumindest annähernd alle Zusammenhänge zu verstehen. Abwechslung schaffen da Featuregäste wie Joe Space, Scarf Face oder auch die SXT-Kollegen, um das Gesamtbild etwas aufzulockern und lässigere Lines zu kicken. Außerdem bildet die Musik quasi ein Gegenstück zum Text. Knowsum baut jazzige Beats mit teils souligen Vocalsamples und lässt auch mal die ein oder andere Gitarre mit einfließen. Auch der einzige Gast-Beat von digitalluc fügt sich makellos ein in den restlichen Sound. Wenn man also den Text komplett ausblendet und nur diesen vielfältigen, beruhigenden Klang mitbekommt, könnte die Platte unter Umständen doch nebenbei laufen. Aber manch eine schön-schief gesungene Hook von Nepumuk kann man einfach nicht ignorieren. 

Letztendlich ist und bleibt dieses Sichtexot-Release eben Musik für den Untergrundfreund, denn sowohl Soundbild als auch Inhalt sind doch stark entfernt vom momentanen Mainstream. Und das ist auch gut so – es braucht Releases wie dieses, um immer wieder frischen Wind und Abwechslung in die aktuell so große Szene zu bringen. Abschließend kann man nur sagen: "Nepumuk und Rappen ist wie Frauen und Technik: Manchmal ziemlich geil und manchmal auch schrecklich" ("Frühling" mit Johannes Lauxen & Sir Serch). Aber Beats kann er!

(Lukas Päckert)

 

Reinhören/​Downloaden:


(Amazon mp3)