hopsi – Für die Hood, Bitch! Vol. 1

"Was?! Du kennst das nicht? Sekun­de, ich such' dir das mal raus." – und schon öff­net sich die Plat­ten­kiste. Wer kennt die­sen Moment nicht? Man redet über Musik und auf ein­mal fällt ein Name – egal, ob von einem Song, einem Künst­ler oder einem Album –, mit dem man nicht so recht etwas anzu­fan­gen weiß. Und plötz­lich hagelt es Lob­prei­sun­gen, Hass­ti­ra­den oder Anek­do­ten. Gera­de dann, wenn der Gesprächs­part­ner ins Schwär­men ver­fällt und offen zeigt, dass ihm das The­ma wich­tig ist, bit­tet man nicht all­zu sel­ten um eine Kost­probe. Die Musik setzt ein und es beginnt, was der Per­son so sehr am Her­zen zu lie­gen scheint. In die­sem Fall – was uns so sehr am Her­zen liegt: Ein Aus­zug aus der Musik, mit der wir etwas ver­bin­den, die wir fei­ern, die uns berührt. Ein Griff in unse­re Plat­ten­kiste eben.

 

hop­si – ein Name, der mich zum einen an einen US-​Rapper mit wei­ßen Kon­takt­lin­sen erin­nert und der zum ande­ren gera­de­zu pein­lich nied­lich klingt. Wenn man dann aber in die Tapes des Rap­pers rein­hört, ist das alles ande­re als "nied­lich". Denn allein der Titel des Mix­tapes "Für die Hood, Bitch! Vol. 1" schlägt in eine ganz ande­re Rich­tung.

Auf einem an Phil Col­lins "In the Air Ton­ight" ange­lehn­ten Instru­men­tal tönen mir direkt im zwei­ten Track Sät­ze wie "Fot­ze, das ist Roman­tik pur" ent­ge­gen. Nur, um danach stumpf jede Zei­le mit "Dan­ke Jesus …" zu begin­nen und das Gan­ze mit einer äußerst simp­len Kla­vier­me­lo­die zu unter­le­gen. Auf die­se Wei­se wech­seln alle 18 Anspiel­sta­tio­nen immer wie­der zwi­schen har­ten Tex­ten, stark umge­setz­ten Kon­zept­tracks und völ­lig sinn­be­frei­ten Inhal­ten. hop­si scheint ein­fach in die Booth zu step­pen und zu recor­den, was ihm gera­de in den Sinn kommt. Den Spaß und sei­ne Emo­tio­nen dabei merkt man der Musik sofort an. Denn der MC füllt unter ande­rem zwei Minu­ten ein­fach nur mit Varia­tio­nen und Ver­zer­run­gen des Sat­zes "Ich lie­be die Natur" ("Die Natur") – und trotz­dem habe ich den Track noch kein ein­zi­ges Mal ange­nervt skip­pen müs­sen. Es wird gespielt mit (manch­mal schie­fen) Stimm­va­ria­tio­nen, Auto­tu­ne in den Hooks und den nor­ma­ler­wei­se übli­chen Rap-​Gepflogenheiten. Zum Bei­spiel braucht der Künst­ler kei­ne kom­ple­xen Rei­me, im Gegen­teil: Sei­ne sind meist furcht­bar sim­pel oder sie wer­den schlicht weg­ge­las­sen ("viel­leicht ein Alp­traum"). Das Tape glänzt also nicht mit über­trie­be­nen Rap-​Skills, nein. Es ist ein­fach nur Enter­tain­ment von vor­ne bis hin­ten und das bleibt es auch nach meh­re­ren Durch­läu­fen. hop­si nimmt sich teils simp­le Electro-​Beats von unter ande­rem LSX und Sep­sis, teils pro­du­ziert er mal eben selbst einen Tune und rotzt dar­auf eini­ge Zei­len. Auch sei­ne Beats sind ziem­lich eigen: So wabert in "Par­ty­kin­der" der sanf­te Syn­the­si­zer­klang vor sich hin, um in der Hook zu einem star­ken Vocalsam­ple samt lau­ter Sna­re zu wech­seln. Ins­ge­samt ein ganz eige­ner, fres­her Style. Zumin­dest für das Jahr 2009.

Somit sind die Tracks auf "Für die Hood, Bitch! Vol. 1" eher nichts für Leu­te, die strai­gh­ten, han­dels­üb­li­chen Hip­Hop erwar­ten. Aber ich kann bei Ohr­wür­mern wie der selbst gesun­ge­nen Melo­die für "Jaque­line" und dem stump­fen Humor à la "Die Gesell­schaft hat Pro­ble­me mit fol­gen­der The­ma­tik: Arsch­fick" ("ich kanns füh­len man") nur abfei­ern. Umso pas­sen­der, dass der Künst­ler vor Kur­zem sein Come­back ange­kün­digt hat – das nenn' ich mal "bez­Z­te Leben".

(Lukas Päck­ert)

 

"Für die Hood, Bitch! Vol. 1" könnt ihr hier kos­ten­los run­ter­la­den.