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Gregpipe

Der aus Frankfurt stammende Rapper Gregpipe ist vielen seit der "Feuer über Deutschland"-Reihe bekannt. Seine Liebe zum Battlerap pflegt er somit seit einigen Jahren und ist ein Spezialist in diesem Bereich geworden. 2009 erschien sein Debütalbum "El Mágico" und nach einigen Jahren Ruhe brachte der MC Ende letzten Jahres seine zweite Platte "Dopamin" raus. Uns erzählte Gregpipe, wie er zu Battlerap kam, welcher Gegner ihn noch besonders reizen würde, aber auch, wie er sich auf seinem aktuellen Album weiterentwickelt hat.

MZEE.com: Zwischen "El Mágico" und "Dopamin" liegen ja doch ein paar Jahre, viele hätten wohl auch gar nicht mehr mit einem neuen Release von dir gerechnet. Zu Beginn des Interviews würden wir gerne von dir wissen, wie es dazu kam, dass zwischen deinen beiden Alben sechs Jahre liegen?

Gregpipe: Ich hab' wirklich vier Jahre lang von 2009 bis 2013 gar nichts mehr gemacht und auch fast gedacht, dass ich keine Musik mehr machen würde. Mein Album kam raus und zu der Zeit war Deutschrap auch ziemlich im Arsch und vom aktuellen Hype war noch kaum was zu spüren. Die Reaktionen auf "El Mágico" waren okay, aber außer bei den Die-hard-Fans nicht der Überabreißer. Ich war auch mit dem ganzen Prozess, wie das Album entstanden ist, nicht besonders zufrieden – dadurch habe ich ein bisschen die Motivation verloren. Ich musste zu der Zeit auch wirklich mal was mit meinem Studium machen, meine Abschlussarbeit schreiben und gucken, womit ich später mein Geld verdienen will. Rap war es zu diesem Zeitpunkt auf jeden Fall nicht. (grinst) Natürlich hat man zwischendurch auch mal kleine Träume und fragt sich, ob man alles auf eine Karte setzen soll, aber diese Entscheidung habe ich glücklicherweise nicht getroffen. Mir ging es zu dieser Zeit auch kopfmäßig nicht entsprechend, weshalb ich das nicht straight hätte durchziehen können. Deshalb habe ich mich erst mal für den klassischen Weg entschieden, um meine finanzielle Zukunft zu sichern. Als alles einigermaßen geregelt war, habe ich auch wieder die Motivation gefunden, meiner Kreativität freien Lauf zu lassen. Gegen Mitte 2013 hab' ich dann angefangen, die ersten Freetracks rauszuhauen und seitdem bewegt sich auch alles in eine positive Richtung.

MZEE.com: Du hast gerade schon den aktuellen Hype um Deutschrap angesprochen. Was erwartest du dir im Zuge dessen von "Dopamin"?

Gregpipe: Das klingt jetzt schon ein bisschen so, als würde ich versuchen wollen, den aktuellen Hype auszunutzen, weil es sich gerade lohnt. Aber dem ist definitiv nicht so. (lacht) Ich hoffe natürlich, dass das Album mehr Anklang findet als der Vorgänger. Gerade, weil ich mir auch in Sachen Promo mehr Mühe gegeben und die ganzen Prozesse drumherum selbst gesteuert habe. Da steckt auch meine eigene Kohle drin. Ich hoffe einfach, dass die Leute sehen, dass mehr Feeling in der Platte steckt als in der ersten und dass ich auf jeden Fall auch auf Tracks überzeugen kann. Es gibt ja immer dieses Vorurteil, dass Battle-MCs nicht auf Tracks rappen können. Ich freue mich, wenn das Album gut angenommen wird und die entsprechende Aufmerksamkeit erhält, die ich mir ausmale. Mir geht es ja im Prinzip nur darum, meiner Leidenschaft, geile Mucke zu machen, nachzugehen. It's just a hobby that I like. Wenn da mehr geht, nehme ich mir aber auch gerne ein paar Jahre Auszeit vom Beruf. (lacht)

MZEE.com: Wie lange hast du intensiv an dem Album gearbeitet?

Gregpipe: Ich würde mal sagen, es waren insgesamt 13 bis 15 Monate. Der Zeitraum ist relativ kompakt im Vergleich zum ersten Album. Auf dem waren Konzepte und Tracks drauf, die teilweise fünf Jahre alt waren. Wenn das dann alles so lang rumliegt und du das alles schon tausendmal gehört hast, verliert man schnell den Spaß. Deswegen ist es schön, dass ich innerhalb dieses überschaubaren Zeitraums Tracks geschrieben und aufgenommen habe. Dann ist der Kopf schneller wieder frei und ich kann weitermachen, um den nächsten Step in der künstlerischen Entwicklung wahrzunehmen. (grinst)

MZEE.com: Laut Wikipedia "gilt Dopamin im Volksmund auch als Glückshormon und die psychotope Bedeutung, also das, was die menschliche Psyche beeinflusst, wird hauptsächlich im Bereich der Antriebssteigerung und Motivation vermutet." – wurde bei dir Dopamin ausgeschüttet, als du die Platte gemacht hast, oder sollte das passieren, während das Album gehört wird?

Gregpipe: Definitiv wurde es das bei mir. Es hat großen Spaß gemacht, daran zu arbeiten und die Beatauswahl zu treffen. Ich hatte das Ziel, einen sehr positiv aufgeladenen Sound zu kreieren. Der Name sollte zum Album und dem Feeling, das es vermittelt, passen. Mir war es wichtig, ein Album zu machen, das man einlegt und das einem Motivation und ein gutes Feeling gibt. Jeder kennt diese alten HipHop-Tracks, die einen damals krass geflasht haben. Es läuft einem warm das Rückenmark herunter, wenn man an bestimmte Beats denkt. Es war mir wichtig, dieses Gefühl zu erzeugen. Das Soundbild sollte "Dopamin" vermitteln. So nach dem Motto: "Morgens gut gelaunt aufstehen und sich fresh fühlen". (lacht)

MZEE.com: Hat sich deine Herangehensweise an Musik seitdem geändert? Wenn ja, inwiefern? Achtest du mittlerweile auf andere Dinge als noch vor einigen Jahren?

Gregpipe: Ich würde sagen, dass ich schon ein bisschen lockerer geworden bin, was das Texteschreiben anbelangt. Früher habe ich mir viel mehr einen Kopf über bestimmte Lines gemacht. Heutzutage schreibe ich alles freier runter und erhalte trotzdem positives Feedback von den Leuten. (lacht) Es ist viel besser, wenn man das einfach so fließen lässt. Im Endeffekt kommt dann auch mehr bei rum. Ich habe gelernt, dass es auch kaum was bringt, wenn man eine Stunde an einer Line sitzt. Am Ende wird die dann vielleicht nur minimal besser – oder auch nur in deinem Kopf. Ich denke, das wirkt sich auch positiv auf meinen Output aus.

MZEE.com: Wie ist das, wenn du schreibst? Notierst du dir direkt eine Line, die dir gefällt, in deinem Handy oder bist du eher der Typ, der sich mit Stift und Papier hinsetzt, um einen ganzen Track direkt runterzuschreiben?

Gregpipe: Ich mache das mal so und mal so. Das ist immer unterschiedlich und tagesformabhängig. Natürlich fällt mir manchmal, wenn ich beispielsweise in Frankfurt über die Zeil laufe, ein geiler Rhyme oder ein lustiges Bild ein. Dann habe ich es mir zum Glück zur Maxime gemacht, das direkt aufzuschreiben. Früher war ich immer so eingebildet zu denken, dass mir das später noch mal einfallen wird, aber am Ende war die Line dann einfach weg und ich hab' mich mega geärgert. Mittlerweile tippe ich die wichtigsten Sachen in mein Handy ein, aber es kann auch sein, dass ich chille, ein geiler Beat läuft und ich einen 16er in zehn Minuten runterschreibe. Das ist ganz unterschiedlich, da hab' ich keine standardisierte Herangehensweise.

MZEE.com: Die Tracks, die sich jetzt auf dem Album befinden, sind alle relativ neu, oder? Ist da nichts dabei, was du vor ein paar Jahren geschrieben hast und jetzt ausgefeilt wurde?

Gregpipe: Ich würde sagen, der älteste Gedanke oder der älteste Part ist von Mitte 2013, aber sonst sind die Tracks zwischen 2014 und 2015 entstanden. Ich arbeite auch Vollzeit, da ist es manchmal schwierig, alles unter einen Hut zu bringen. Aber es hat doch irgendwie geklappt. Die Motivation war da, Dopamin ist geflossen. (grinst) Ich hab' nicht mal alle Tracks aufs Album draufgenommen. Mir war es wichtig, dass der Sound einheitlich klingt. Deswegen haben es dann auch zwei bis drei Tracks nicht auf das Album geschafft.

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MZEE.com: Du hast dir einige Featuregäste ins Boot geholt. Nach was hast du die Mitwirkenden auf deinem Album ausgewählt?

Gregpipe: Dizaster ist für mich der beste Battlerapper der Welt – deswegen war das ein kleiner Traum, der für mich in Erfüllung gegangen ist. Ich habe ihn damals über Instagram kontaktiert, dann ging das alles ziemlich schnell und er war kurz darauf schon hier in Deutschland. Ich bin da mega stolz drauf – er ist auch echt ein korrekter Typ, wir hatten viel Spaß bei seinem Trip und wir telefonieren beziehungsweise schreiben auch heute noch miteinander. Vielleicht kommt er auch noch mal rüber, wir stehen auf jeden Fall noch sporadisch in Kontakt. Morlockk kenne ich schon sehr lange und seit den
"Feuer über Deutschland"-Geschichten sind wir uns oft über den Weg gelaufen und haben uns immer gut verstanden. Ich finde seinen Style auch unfassbar krass. Er ist für mich technisch einer der besten MCs in Deutschland und auch auf jeden Fall einer der smartesten. Morlockk hat richtig was im Kopf. Man merkt, dass er ein sehr gebildeter Mensch ist. Gespräche, die man mit ihm führt, sind immer aufschlussreich und man kann da viel mitnehmen. Ich respektiere ihn sehr als MC und selfmade Businessman.

MZEE.com: Interessant ist auch, dass Illmatic und Damion Davis, Tierstar und Basic vertreten sind …

Gregpipe: Illmatic habe ich auch mal wieder aus der Versenkung geholt. (lacht) Der macht ja jetzt hart sein Comedyding. Er ist mittlerweile auch ein guter Freund von mir. Ich habe damals meine Abschlussarbeit geschrieben und er hat direkt neben der Bibliothek gewohnt. Irgendwann sind wir uns dann mal über den Weg gelaufen. Da habe ich ihn angequatscht, wir haben uns ein bisschen über Poker unterhalten, ein paar Mal gezockt und so führte dann eins zum anderen. Er hat auch so einen behinderten Humor wie ich. Wir schmeißen uns immer lustige Sachen an den Kopf, die auch manchmal hart unter die Gürtellinie gehen, um uns zu dissen – ist irgendwie unsere Art, Liebe zu zeigen. Ich fand seine Raps auch immer übernice. Von daher war es klar, dass er auch mit auf das Album kommt. Dann gibt es ja noch den Track mit Damion, Tierstar und Basic … Das ist auch ziemlich witzig, weil das drei ehemalige Battlegegner von mir waren, mit denen ich mich am Ende super gut verstanden habe. Ich war öfter Mal bei "Rap am Mittwoch" und natürlich sieht man sich dort dann. Letztens war ich einfach so in Berlin, bin kurz zum Videodreh von Tierstar und Damion vorbeigesteppt, danach waren wir noch Party machen in einem geilen HipHop-Club in Berlin. Das vermisse ich teilweise in Frankfurt. In Berlin gibt es so viel Auswahl und alles ist so günstig … Da haben wir zusammen gefeiert, ein bisschen gesoffen und kamen auf die Idee, zu viert einen Track zu machen. Bei den Featuregästen ist es so, dass ich entweder eine persönliche Beziehung zu ihnen habe und ihren Rap ebenfalls gut finde, oder, wie es bei Dizaster der Fall war, dass es ein absolutes Traumfeature war. Das ist für mich mehr wert als alles andere. Es könnte auch ein anderer hochkarätiger Ami-Rapstar sein, der viel bekannter ist: Das würde mich alles nicht so bocken wie Dizaster. Er macht eben all das in viel größer, was ich hier in Deutschland mache. Das war auf jeden Fall ein kleiner Traum!

MZEE.com: War das bei den Produzenten ähnlich?

Gregpipe: PCP Beats hat circa 80 Prozent der Beats vom Album gemacht und ich habe im Vorfeld mit ihm abgeklärt, dass er auch mischt und mastert. Die Beats, die er macht, sind Wahnsinn – genau das, was ich für "Dopamin" gesucht habe. Sie sind ein bisschen Boom bap, aber dann doch wieder nicht zu vercrackt oldschool. Ich fühle mich generell auch sehr wohl auf diesen 90bpm-Beats. Mit Undercover Molotov habe ich davor ein bisschen gequatscht, der schickte mir dann auch ein paar Dinger rüber. Den Beat, den ich für mein Intro gepickt habe, fand' ich einfach brachial und musste ihn käuflich erwerben. (lacht) Der Beat von Monroe hat mich auch sehr gefreut, er hat ja einen riesen Namen und was er mir da geschustert hat, ist auch ein übertriebenes Brett von Beat. Weazle, der bei "Underdog" dabei ist, hatte mir ein paar Dinger bei Facebook geschickt, die ich krass fand. Den Beat von Jamil Samimi & Janis Vivell hatte Illmatic ursprünglich gepickt und ich habe ihm den dann abgeluchst. (lacht)

MZEE.com: Es gibt natürlich immer noch Leute, die dich nicht kennen, weil sie diese ganze Reihe zu "Feuer über Deutschland" nicht mitbekommen haben …

Gregpipe: Klar, ich bin ja sozusagen wieder mal ein Newcomer. (grinst)

MZEE.com: Und wie würdest du denen das Soundbild von "Dopamin" beschreiben?

Gregpipe: Es ist sehr treibend und sehr positiv. Viele Beats bringen diese besondere
"HipHop-Wärme" mit, no homo. (lacht) Mein Style ist technisch, ein bisschen Straße ein bisschen Hochschule. Eine Art Melange aus Gangster und Dozent mit einem Schuss Realness, aber auch immer mit einem kleinen Augenzwinkern. Ich höre auch oft, dass ich eine besondere Wortwahl habe. Wenn man sich selbst beweihräuchern darf, glaube ich, dass mich als MC auszeichnet, dass ich mich auf vielen Gebieten wohlfühle … seien es Acapella-Battles, Storytelling, Battleraps – ich kann auch Doubletime spitten. Ich glaube, ich bin schon ein echter MC. (lacht)

MZEE.com: Kommen wir mal auf deine Anfänge zu sprechen: Vielen bist du aus der "Feuer über Deutschland"-Reihe bekannt. Was hat sich deiner persönlichen Meinung nach seitdem positiv und negativ verändert innerhalb dieser Battlerapszene?

Gregpipe: Positiv ist es auf jeden Fall, dass sich Ligen wie "Don't Let The Label Label You" oder "Rap am Mittwoch" herausgebildet haben und die Kultur auch ein bisschen wächst und sich vor allem parallel zur normalen HipHop-Musikkultur etabliert hat. Das ist ein bisschen wie in den USA, es gibt zwei Stränge. Einmal die Studiorapper, die ihre Tracks und Videos machen und einen Haufen Kohle damit scheffeln. Dann gibt es diese straighten Battlerapper, die sich eigentlich fast nur innerhalb der Ligen bewegen. Generell gibt es jetzt immer die Möglichkeit, Acapella zu battlen. Früher gab es nur diese Freestyle-Battles auf Beats, aber es hat sich wirklich eine Acapella-Kultur herauskristallisiert. Jeder, der da on fire ist und Bock drauf hat, hat auch die Möglichkeit, dazu zu performen. Früher gab es das nur im Rahmen der "Feuer über Deutschland"-Veranstaltungen; man drehte eine DVD und dann dauerte es ewig lang, bis die rauskam. Heute gibt es feste, regelmäßige Dates für diese Battles und man kann hingehen und battlen. Dass das wächst, finde ich auf jeden Fall sehr positiv!

MZEE.com: Gibt es denn für dich auch was Negatives?

Gregpipe: Na ja, die Leute in Deutschland stehen immer noch ein bisschen zu sehr auf diese Schenkelklopferwitze und sind noch nicht so krass offen für Wordplay und Schemes, wie sie in Amiland an der Tagesordnung sind. Da sind die schon ein ganzes bisschen weiter. Der Coolness-Faktor müsste auch noch mal ein bisschen ansteigen. Teilweise ist mir das ein etwas zu verlaucht. (lacht) Ich sag' nicht, dass ich die oberste Instanz bin, die das zu bewerten hat, aber das ist einfach mein Feeling. Die Leute sollten auch mehr für Battlerap sensibilisiert werden, weil bei vielen Veranstaltungen hat man das Gefühl, dass dort viele Battlerap-Touristen und Hipster dabei sind … "Ach, die rappen da jetzt und battlen sich auf der Bühne gegeneinander. Hach, das ist ja lustig!" Das ist ähnlich, wie wenn du kompetent über Fußball reden möchtest: Da kannst du auch nicht einfach deinen unqualifizierten Senf dazugeben und wirst von den ganzen Fußballcracks dadurch akzeptiert. Wenn du über einen bestimmten Themenkomplex diskutieren möchtest, dann musst du den auch verstehen und dich damit auseinandersetzen. Das fehlt mir teilweise ein bisschen, dass sich die Leute so wenig mit der Kultur beziehungsweise der Kunstform an sich auseinandersetzen. Battlerap ist krass voraussetzungsreich und stellenweise auch wie eine Daily Soap. Es macht am meisten Spaß, wenn man total drin ist und weiß, wer was gegen wen gesagt hat, mit welchem Hintergrund und wieso sich diese Line jetzt darauf bezieht. Da muss man schon Augen und Ohren offen halten.

MZEE.com: In Live-Battles hast du schon gegen einige bekannte MCs deinen Mann gestanden. Gibt es noch diesen einen Gegner, der dich besonders reizen würde? Vielleicht auch jemand, den du niemals battlen wollen würdest?

Gregpipe: Grundsätzlich hätte ich vor niemandem Angst. Ich kenn' da nichts! Natürlich respektiere ich andere MCs und ich weiß auch, dass es verdammt krasse Motherfucker da draußen gibt. Ich würd' einfach gern wieder einen größeren Step machen. Seit ich wiedergekommen bin, gab es das Rematch gegen Tierstar – da hatten die Leute Bock drauf, weil da auch Feuer drin war. Genau wie gegen Basic, weil wir uns eben auch ein bisschen angegiftet haben. Sowas ist ja immer etwas spannender! Für mich war Damion Davis auch ein größerer Name, was auch wieder ein Step ins nächste Level war. Dann kam Battleboi Basti und die Reunion mit Basic. Das alles waren sehr aufmerksamkeitsstarke Dinger. Die Großen haben aber leider einfach zu viel Schiss vor einem angekratzten Image, sinkenden Plattenverkäufen und davor, dass sie dann am Ende einfach nicht so gut dastehen. Das ist auch der Grund, warum es Veranstalter immer so schwer haben, attraktive Paarungen für Battlerap-Matches zu finden, die die Leute bocken. Deswegen wird es wohl auch kein "Feuer über Deutschland 4" mehr geben. Auch Savas wollte, glaube ich, damals was in der Richtung auf die Beine stellen, hat dann wohl aber auch aus ebendiesen Gründen nicht funktioniert. Aber ihr wisst: I ain't never scared. (lacht)

MZEE.com: Für viele wirst du auch als Veteran der Live-Battlerap–Szene in Deutschland gesehen. Welche gegen dich verwendete Line hat dich in all den Jahren am meisten getroffen oder dich auf ihre Art und Weise beeindruckt?

Gregpipe: Das ist eine verdammt gute Frage! Eigentlich war es fast die Geschichte beim letzten Battle mit Basic gegen Battleboi Basti und Besser. Wir hatten im Vorfeld ein paar Absprachen bezüglich privater Dinge, die wir während des Battles nicht ansprechen. Leider hat sich Basti nicht so ganz daran gehalten. Da fühlte ich mich so ein bisschen "hintergangen". (lacht)

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MZEE.com: Hast du denn das erste deutsche Compliment Battle gesehen? Was hältst du von einem solchen Format?

Gregpipe: Ja, da war ich sogar vor Ort! Brian Damage gegen Harry Crotch. Das Format find' ich mega! Ich war sogar ein bisschen sauer, dass ich nicht der Erste sein konnte, der das gemacht hat. Finde ich sehr, sehr witzig! Es ist auch etwas Positives für Battlerap, dass es nicht immer nur dieses Zerfleischen sein muss. Und es ist auch sehr unterhaltsam für die Zuhörer. Hätte ich ehrlich total gerne gemacht. Die beiden sind mir dann aber irgendwann ein bisschen too much auf Tuchfühlung gegangen. (grinst) Aber das sind ja auch krasse Homies. Im Prinzip find' ich das super! Das würde mich auf jeden Fall reizen, denn du bist dich echt komplett nur am Wegpissen. Solche Battles machen einfach Spaß. Denn beispielsweise Battles wie gegen Tierstar oder Damion sind auch viel Kopfgeficke und teilweise sehr angespannt. Solche Fun-Battles sind definitiv angenehmer für die Psyche.

MZEE.com: Wer ist denn eigentlich, abgesehen von Dizaster, dein Lieblings–Battlerapper?

Gregpipe: Ich würde sagen, dass Diz, Pat Stay und Hollow da Don meine Top 3 sind. Vielleicht gefolgt von Conceited und Caustic. Gibt verdammt viele gute, aber diese fünf kann ich mir immer geben. Dizaster killt dich lyrisch, Pat Stay clowned dich zu Tode, Hollow outswagged dich, Conceited outschemed dich und Caustic fickt dein Leben per Realtalk.

MZEE.com: Bist du denn jemand, der sich auch Battlerap aus anderen Ländern als den USA oder Deutschland anschaut? Zum Beispiel aus Frankreich?

Gregpipe: Nee, überhaupt nicht. Ich muss dir auch sagen, dass ich kaum französischen Rap höre. Mir gibt das nichts – klar, ich fühle die Beats und in einer gewissen Art und Weise auch den Flow. Für mich kann sich aber Flow nur entwickeln, wenn man die Lyrics versteht. Ich muss schon verstehen, was der MC sagt. Und da ich nicht so viel Französisch in der Schule hatte … Ich war sogar recht gut darin, aber irgendwie ist mir das dann alles wieder verloren gegangen. Ich find' einfach Englisch geiler und diese Stereotypen à la "Französisch ist so schön und so eine tolle Sprache" gehen mir manchmal ein bisschen auf den Sack. Da habe ich dann eine Antihaltung. Sprachlich bedingt kann ich mit französischem Rap nichts anfangen, wobei ich die Attitude mega geil finde! Wie die Amis sind sie sehr streetlastig, aggressiv und einfach viel rougher als in Deutschland. Ich kann es nur nicht konsumieren, weil es mir nichts gibt.

MZEE.com: Wie hat das mit dem Battlerap bei dir angefangen? Warst du jemand, der immer Rap gehört hat und dann unbedingt battlen wollte?

Gregpipe: Ich hab' angefangen mit den ersten Cypress Hill-Platten und "36 Chambers" vom Wu-Tang Clan, was ja auch sehr aggressiver Rap ist. Wir haben dann immer im Keller von einem Kollegen gefreestylet und Samy war damals für mich mega krass mit dem Demo-Tape und die Freestyle-Tapes von Eimsbush haben auch schon geprägt. Irgendwann kam das erste Acapella-Battle, was mich übertrieben weggeblasen hat; das war Party Arty gegen Murda Mook. Das war eines der ersten Smack-Battles und diese Acapella-Kultur hat sich auch erst in den letzten fünf bis acht Jahren in den USA herausgebildet. Zumindest in der Größe, in der wir sie jetzt haben. Dieses Battle … ich meine, Murda Mook hass' ich wie die Pest, der wurde auch in dem Battle gekillt von Party Arty! Da hab' ich mir nur gedacht, was für eine krasse Delivery er hat, wie er die Rhymes setzt, wie er guckt und sich bewegt … Ich dachte mir damals, dass sowas auch mal in Deutschland irgendwie etabliert werden müsste. Ich habe dann sogar im alten Out4Fame-Forum gepostet, dass man das mal adaptieren müsste für Deutschland und kurz darauf kam "Feuer Über Deutschland". (grinst) Dann hat das alles damit angefangen, das waren in dem Stil die ersten Acapella-Battles. Seitdem hat mich das einfach nicht mehr losgelassen. Rap ist in gewisser Weise Aggression, Battle und Competition, sich prügeln mit Worten und Adrenalin. Das turnt mich halt einfach krass!

MZEE.com: Du bist du auch schon einige Jahre aktiv am Rap-Geschehen beteiligt. Gegen Ende des Interviews würden wir gern von dir wissen, ob es denn einen Moment gibt, den du persönlich mit Rap verbindest? Der widerspiegelt, was genau Rap für dich eigentlich ist?

Gregpipe: Hat man natürlich schon öfters gehört, aber es stimmt einfach. Es ist eine universelle Sprache, die über Herkunft, Grenzen und Kontinente hinweg verbindet. Ich will das jetzt bei mir alles gar nicht nur auf die Sache mit Dizaster reduzieren. Ich hatte auch viele andere schöne Momente durch Rap, aber irgendwie steht das für mich exemplarisch dafür ein. Auch dass viele Kollaborationen entstanden sind und ich mit Leuten chille, die mich als einen von ihnen respektieren und akzeptieren, ist etwas, was ich schön finde. Ich erinnere mich zum Beispiel gerne zurück, als etwa Eko oder Sentino mich damals angerufen haben und mir ihren Respekt bekundet haben und im Anschluss auch gemeinsame Tracks entstanden sind. Wenn ich auf der Reise mal keine Unterkunft finden würde, würde ich sicher irgendwo immer kurzzeitig ein Dach über dem Kopf finden bei jemanden, der auch HipHop-Fan ist oder HipHop macht. Voll das Backpacker-Statement. (lacht) Es herrscht einfach eine gewisse Art der Verbundenheit. Als ich angefangen habe zu freestylen und die Reaktionen in den Gesichtern der Leute abgelesen habe ... Wenn man sieht, wie sie das flasht, ist das einfach ein geiles Gefühl. Das ist wie eine Droge, die Dopamin und Noradrenalin ausschüttet und ein positives Feeling vermittelt. Dann kriegst du auch oft Feedback von Leuten, die es feiern, wie du in einem Track etwas beschrieben hast … das feier' ich mega. So pauschal das auch klingen mag: Wenn ich nur einem Menschen mit meiner Musik etwas Positives geben kann, dann habe ich schon gewonnen!

MZEE.com: Zum Abschluss des Interviews haben wir noch ein paar Fragen aus dem MZEE–Forum, die wir dir gerne unverändert stellen möchten. Die erste Frage an dich lautet: "Wie steht er heute zu seiner Reaktion auf die rap.de-Review (die wirklich schlecht war) zu seinem Debüt, als er quasi eine Gegenreview geschrieben hat? Schämt er sich dafür oder steht er dahinter?"

Gregpipe: Nö, schämen tu' ich mich auf gar keinen Fall. Ich weiß nicht, ob ich es so in dem Rahmen noch mal machen würde. Das war natürlich auch eine emotionale Reaktion und ich habe mich einfach sehr geärgert. Ich fand, das hat nicht dem entsprochen, wie ein Redakteur oder Journalist arbeiten sollte. In den ersten paar Sätzen hat man schon gemerkt, dass er mich direkt haten wollte. Ich wollte dann auch zeigen, dass ich mich auf einem intellektuellen Level mit so einem Krepel messen kann. Deswegen habe ich auch ein paar schlaue Sätze zurückgefeuert. Ich weiß nicht, wie ich es jetzt machen würde. Vielleicht würde ich mal in einem Track eine Zeile feuern oder so einen Scheiß, aber die Mühe würde ich mir, glaube ich, nicht mehr machen. Ich habe meine Gegenreview später irgendwann noch mal gelesen und fand' es sogar ganz witzig. Ich bin ein impulsiver Mensch – das sind viele Leute, die Musik machen. Vielleicht bin ich mit den Jahren einfach auch etwas ruhiger geworden und versuche nicht aus einer Impulshandlung rauszuschießen. Na ja, ich versuch's zumindest, aber es gelingt mir nicht immer.

MZEE.com: "Kommt 'ne gemeinsame Platte mit Illmatic, wenn ja: wann?"

Gregpipe: Der Penner macht immer irgendwelche Versprechungen, die er nicht halten kann (lacht) … Ich würde jetzt einfach mal sagen: nein. Er hat mir auch geflüstert, er arbeitet an einer EP – wer's glaubt, wird selig. (lacht) Er ist einfach zu stark drin in seinem Comedyding. Ich bin schon mega froh, dass ich den Vers für mein Album abgestaubt habe. Wenn ihr Pech habt, ist das das Letzte, was ihr jemals von ihm zu hören bekommt!

MZEE.com: "Warum er, trotz erfolgreichem Studium, weiter Zeit in Rap investiert ... nichts gegen die Liebe für das alles und so weiter ... jedoch lohnt sich das?"

Gregpipe: Darum geht es mir ja in erster Linie gar nicht. Mit dem Album habe ich aktuell noch kein exorbitantes Plus gemacht, aber ich hoffe, dass ich da noch hinkomme. (lacht) Das, was ich mit meinem Job verdiene, sichert mir meinen normalen Lebensstandard und alles, was über Rap da noch hinzukommt, ist ein netter Obolus obendrauf und das nehme ich gerne mit. Mittlerweile habe ich ja auch meinen eigenen Shop und ich bin mit den Verkäufen echt zufrieden und positiv überrascht! Das Ganze will ich jetzt einfach noch ein bisschen ausbauen. Wenn es sogar irgendwann so viel Kohle sein sollte, dass man mal ein paar Jahre Auszeit nehmen kann, wäre das natürlich wunderbar. Ich mach' das ja primär nicht wegen der Kohle. Aber wenn man Musik auf einem bestimmten Level macht und selber Geld investiert, dann würde man auch gerne etwas davon zurückkriegen. Es ist jedoch nicht mein Ziel, mir durch ausgefuchste Marketingmoves auf dem Rücken der Kultur eine goldene Nase zu verdienen. Ich mach' das, weil mir das Spaß macht, es mir was gibt, mich das als Person ausfüllt und weil ich mich dadurch, so geschwollen sich das anhört, künstlerisch verwirklichen kann. Es ist einfach eine Leidenschaft.

(Kris­tina Scheu­ner)