megaloh02

Megaloh

Obwohl Megaloh be­reits seit 2005 "im Game" ist – so der Titel sei­ner Debütplatte –, kann der Berliner noch nicht mit ei­ner el­len­lan­gen Diskografie glän­zen. 2013 er­schien mit "Endlich Unendlich" sein zwei­ter und bis dato letz­ter Longplayer. Mit dem ge­lang ihm al­ler­dings nicht nur der Sprung aus der Geheimtipp-​Ecke, son­dern auch in die Top 10 der Albumcharts. Doch selbst, wenn sein Name an­de­res ver­mu­ten lässt: Der Größenwahn hat "Dr. Cooper" noch nicht be­fal­len und so ar­bei­tet Megaloh der­zeit an sei­ner drit­ten Platte, die vor­aus­sicht­lich im kom­men­den Jahr auf die Deutschrapszene los­ge­las­sen wer­den soll. Zu die­sem Anlass tra­fen wir den Moabiter Rapper zum Gespräch über den vor­herr­schen­den Druck, seine Bodenständigkeit und na­tür­lich, um ihm ein paar Details zur neuen Platte zu ent­lo­cken. Viel Spaß mit ei­nem wei­te­ren MZEE​.com Interview, "wo man das, was man sagt, auch ver­kör­pern muss".

MZEE​.com: Wenn man sich mal den Abstand zwi­schen dei­nem Debütalbum "Im Game" von 2005 und dei­nem zwei­ten Album "Endlich Unendlich" von 2013 an­schaut, kann man schon ein we­nig Angst be­kom­men, dass man auf die nächste Platte län­ger war­ten muss – kannst du Entwarnung ge­ben?

Megaloh: Ich hab’ jetzt wie­der et­was län­ger ge­braucht – drei Jahre ist ei­gent­lich das Maximum. 2013 kam das letzte Album, das nächste wird aber bald er­schei­nen. Wann ge­nau, kann ich noch nicht sa­gen, aber es wird keine sie­ben Jahre dau­ern. Auf kei­nen Fall! (grinst)

MZEE​.com: Fühlst du dich denn un­ter Druck ge­setzt? Gerade da­durch, dass du dir eine recht große Fanbase auf­ge­baut hast …

Megaloh: Ich habe vor­her schon die ganze Zeit Musik ge­macht. Das Problem war al­ler­dings, dass ich schlech­tes Business ge­macht habe be­zie­hungs­weise ein Management hatte, das mich nicht an den Mann brin­gen konnte. Ich wollte die Musik nicht kom­plett for free ma­chen, die "Monster"-EP habe ich ja zwi­schen den bei­den Alben ge­macht. Wie ihr auch ge­sagt habt: Jetzt ge­rade ist ein Punkt, da wol­len viele Leute, dass was Neues kommt und das macht mir dann na­tür­lich auch mehr Spaß. Das heißt aber nicht, dass ich da­vor keine Musik ge­macht habe. Ich habe von Anfang an kon­ti­nu­ier­lich daran ge­ar­bei­tet. Jetzt bin ich aber viel­leicht an ei­nem Punkt, an dem man das erns­ter nimmt, die Perspektive sieht und dann na­tür­lich auch mo­ti­vier­ter ist. Es än­dert aber nichts – der krea­tive Output ist da oder ist es eben nicht. Für die­ses kom­mende Album habe ich mir nicht un­be­dingt Druck ge­macht, weil die Leute was hö­ren wol­len. Es war mir nur wich­tig, be­stän­dig zu blei­ben und die Chance zu nut­zen, Musik ma­chen zu kön­nen.

MZEE​.com: Wir hat­ten das Gefühl, dass du dir mit "Endlich Unendlich" ziem­lich schnell ei­nige Türen in der Deutschrapszene geöff­net hast. Was denkst du persön­lich, wieso die Platte vor zwei Jahren so ein­ge­schla­gen ist?

Megaloh: Max Herre, ne? (grinst) Max Herre hat al­les klar ge­macht. Er hat auf je­den Fall viel da­mit zu tun. Ab dem Moment, in dem ich bei ihm un­ter Vertrag ge­kom­men bin und er ir­gend­wann ge­sagt hat: "Checkt den aus, das ist ein gu­ter Lyricist" – da ha­ben die Leute plötz­lich an­ge­fan­gen, mich an­ders wahr­zu­neh­men. Natürlich habe ich auch da­mit be­gon­nen, et­was an­dere Musik zu ma­chen. Man wird ja äl­ter, an­dere Themen wer­den wich­tig. Mir selbst wurde es auch im­mer wich­ti­ger, die Musik so ehr­lich wie mög­lich zu ma­chen und meine ei­gene Geschichte zu er­zäh­len. Ich bin auf je­den Fall sehr froh, dass die Leute das ak­zep­tiert ha­ben – das hät­ten wir da­mals na­tür­lich nicht ge­dacht. Wir ha­ben ge­glaubt, dass al­les bes­ser wird als zu­vor und wir mehr Aufmerksamkeit krie­gen – aber dass es gleich so gut läuft, nicht. Ich toure und spiele jetzt schon seit fast drei Jahren mit dem glei­chen Album und die Leute fei­ern das im­mer­noch. Das ist ein­fach ein Traum! Vielen Dank an alle, die uns un­ter­stüt­zen.

MZEE​.com: Kann man sa­gen, dass du dich sound­tech­ni­sch kom­plett ge­fun­den hast? Oder hast du das Gefühl, dass du dich jetzt noch­mal in eine an­dere Richtung ent­wi­ckelst?

Megaloh: Ich denke, ich ent­wickle mich im­mer wei­ter. Ich bin selbst auch Rapfan. Manche neuen Sachen fin­det man gut und nimmt das mit auf ins Repertoire – egal, ob das mit dem Flow oder dem Sound zu tun hat. Und na­tür­lich will man auch in­halt­lich wei­ter­ge­hen – ich möchte wei­tere Facetten zei­gen. Man wird se­hen, wo die Reise hin­geht. Ich würde das kom­mende Album als eine Weiterentwicklung vom letz­ten be­zeich­nen. Die Musik ist jetzt nicht kom­plett an­ders, aber es ist auf je­den Fall eine Weiterentwicklung.

MZEE​.com: In die­sem Jahr er­schien ein Video von dir und dem fran­zö­sisch­spra­chi­gen Rapper FONZ', das eine "straßen­las­ti­gere" Gangart ein­legt, als man es von dei­nem Sound der letz­ten Jahre ge­wohnt ist. Ergab sich das be­dingt durch die Musik von FONZ' oder ver­suchst du dich ge­ne­rell wie­der an här­te­rem Sound?

Megaloh: Wer meine Musik von Anfang an ver­folgt, der weiß, dass ich so et­was schon im­mer ge­macht habe. Als ich die Chance be­kom­men hab', "Endlich Unendlich" zu ma­chen, war es wich­tig, sich den Leuten rich­tig zu prä­sen­tie­ren. Gerade, dass man auch auf viele Sachen ver­zich­tet, die ei­nen in eine Klischee-​Ecke drü­cken. Von mir wird so­wieso im­mer ge­sagt: "Okay, er ist groß und schwarz". Wenn man dann noch Straßenrap macht, wird man gleich in eine Kiste ge­steckt. Deshalb wollte ich den Leuten die Möglichkeit ge­ben, den Menschen da­hin­ter zu se­hen. Das ist auf je­den Fall so ge­blie­ben – aber das heißt nicht, dass die Liebe zum Straßenrap ver­lo­ren ge­gan­gen ist. Es wird im­mer wie­der Projekte mit Leuten ge­ben, die ich gut finde, aber grund­sätz­lich ist die Ausrichtung, ehr­li­che Musik zu ma­chen. Auf dem Track mit FONZ’ war der Beat von ihm. Heute würde man das als Trap be­zeich­nen, was mir auch gut ge­fällt, aber das neue Album wird mu­si­ka­li­scher und mit Instrumenten blei­ben. Ich will aber nicht zu viel vor­weg neh­men …

MZEE​.com: Wird dein nächs­tes Album im kom­men­den Jahr er­schei­nen?

Megaloh: Das ist in Planung, ge­nau kann ich das aber nicht sa­gen. Es gibt noch kein Releasedate – da muss sich das Label noch drum küm­mern. Ich bin quasi fer­tig, die ers­ten Songs sind schon im Mix. Es dau­ert also nicht mehr lange.

megaloh03

MZEE​.com: Auf dem Track mit FONZ' rappst du un­ter an­de­rem: "Newcomer-​Freshness, ob­wohl ich schon seit 'ner Epoche im Game bin". Denkst du, dass man mit der Zeit an "Newcomer-​Freshness" ein­büßt und durch wach­sen­den Erfolg auch an Biss ver­lie­ren kann?

Megaloh: Ich denke schon. Man kann ja im­mer wie­der be­ob­ach­ten, dass Leute ir­gend­wann zu viel ver­die­nen und dann satt wer­den. Vielleicht ist es auch di­rekt am Anfang so, dass der Grund des Erfolgs an ei­nem Hype, Trend oder der Zeit liegt und dass der Künstler spä­ter nicht dazu in der Lage ist, das zu hal­ten, nach­zu­lie­fern oder sich wei­ter­zu­ent­wi­ckeln. Gerade da­durch, dass der Trend dann vor­bei­geht und nicht mehr so span­nend ist. An mich selbst habe ich ei­nen sehr ho­hen Anspruch – das geht viel wei­ter, als der Erfolg von die­sem Album war. Ich bin to­tal dank­bar da­für, aber ich rappe seit fast 20 Jahren und hatte im­mer den Anspruch, so weit wie mög­lich nach oben zu kom­men. Deshalb wird die­ser Hunger bei mir, denke ich, nicht so schnell vor­bei­ge­hen.

MZEE​.com: Gab es auch Phasen, in de­nen du über­haupt kei­nen Bock mehr auf Rap hat­test?

Megaloh: Die gab es auf je­den Fall. Als ich zum Beispiel ge­merkt habe, dass ich ge­schäft­lich nicht auf ei­nen grü­nen Zweig komme. Man in­ves­tiert im­mer Zeit, Energie und Geld. Gleichzeitig muss man auch enorm viele Opfer brin­gen – wie zum Beispiel Freunde, die man ver­liert oder für die man keine Zeit mehr hat. Irgendwann war es mir das al­les nicht mehr wert. Da dachte ich mir, dass es nicht sein kann, mein hal­bes Leben in die Musik rein­zu­ste­cken und dann so we­nig zu­rück­zu­be­kom­men. Das war al­les vor dem Album und mit der "Monster"-EP wollte ich ei­gent­lich ab­schlie­ßen und dachte, dass da auch Familie am Start wäre. Da muss man sich küm­mern und sein Leben an­ders an­ge­hen. Man muss sich auch über­le­gen, wie man die Familie ver­sor­gen kann – und wenn das mit Rap nicht klappt, muss man um­den­ken. Ich bin des­halb sehr glück­lich, dass es doch ge­klappt hat.

MZEE​.com: Das be­deu­tet, dass Rap seit dei­ner letz­ten Platte auch dein Beruf ist?

Megaloh: Auch. Ich habe noch im­mer mei­nen an­de­ren Job im Lager, wie in dem Song "Loser" er­zählt wird. Da hat sich nichts dran ver­än­dert. Dadurch, dass das Album so ein Erfolg war, bin ich na­tür­lich to­tal viel un­ter­wegs ge­we­sen. Wenn man viel spielt, kommt auch Geld rein. Es ist jetzt nicht so, dass ich kom­plett von die­sem Job ab­hän­gig wäre, aber man muss ja auch an die Zukunft den­ken. Es wird wahr­schein­lich noch eine Weile so blei­ben, aber ich hoffe, dass ich mei­nen Lebensunterhalt ir­gend­wann kom­plett mit der Musik be­strei­ten kann.

MZEE​.com: Denkst du, dass man au­to­ma­ti­sch bo­den­stän­di­ger bleibt, wenn man nicht nur als Künstler un­ter­wegs ist, son­dern auch in ei­nem an­de­ren Job ar­bei­tet – egal, in was für ei­nem?

Megaloh: Ich habe da­durch enorm an Bodenständigkeit ge­won­nen, das stimmt schon. Letztendlich ver­liert man, glaube ich, auch nicht den Bezug zum nor­ma­len Leben. Für man­che reicht es auch, Familie zu ha­ben, was dann wie eine Art Grounding ist. Aber es kann nicht scha­den, noch et­was an­de­res zu ma­chen.

MZEE​.com: Man hat halt im­mer eine Alternative und muss sich nicht kom­plett auf eine Sache ver­las­sen …

Megaloh: Das stimmt schon – aber mein Job ist jetzt nichts für die Ewigkeit. Es ist kör­per­li­che Arbeit, bei der es auch keine Chance auf ei­nen Aufstieg oder so­was gibt. Wenn ich keine Musik ma­chen würde, müsste ich in eine an­dere Richtung über­le­gen, in der man mehr so­zia­len Aufstieg er­rei­chen und mehr Geld ver­die­nen kann.

MZEE​.com: Wir ha­ben ge­rade schon über das Thema "Newcomer-​Freshness" ge­re­det. Gibt es denn ak­tu­ell den ein oder an­de­ren noch un­be­kann­ten Künstler, den man auf dem Schirm ha­ben sollte und dem du diese "Newcomer-​Freshness" auch an­merkst?

Megaloh: Chima Ede würde ich auf je­den Fall un­be­dingt aus­ch­e­cken. Das ist auch ein sehr ta­len­tier­ter Künstler aus Berlin-​Moabit, der rappt und singt. Er ist noch to­tal jung und hat in die­sem Jahr eine kos­ten­lose EP raus­ge­bracht. Die heißt "Lebenslust" und man kann sie auf sei­ner Seite down­loa­den. Ich halte ihn für ei­nen sehr gu­ten Künstler und hoffe, dass wir da noch viel in der Zukunft se­hen wer­den.

MZEE​.com: Von den Newcomern zu den "al­ten Hasen" und de­ren Klassikern: Werden Fans auf ein drit­tes "Auf Ewig"-Mixtape hof­fen dür­fen oder siehst du die Reihe vor­erst als ab­ge­schlos­sen an?

Megaloh: Ich hatte ei­gent­lich schon ge­sagt, dass ich eine Trilogie draus ma­chen will. Ich denke, ein drit­ter Teil wird also auch noch kom­men. Ich hab’ ein paar Schwierigkeiten da­mit, die Beats zu be­sor­gen, weil es viele der Sachen, die ich ha­ben will, gar nicht mehr als Instrumentals gibt. Teilweise sind die bei ir­gend­je­man­dem auf der MPC und er muss die dann raus­boun­cen oder fin­det die Files nicht. Ich will da jetzt auch keine Namen nen­nen. Ich ver­such' das noch zu­sam­men­zu­tra­gen und dann auch hof­fent­lich bald zu brin­gen.

MZEE​.com: Bei dei­nem Rap wer­den im­mer wie­der Skills und tech­ni­sche Versiertheit ge­lobt. Wie wich­tig ist dir Technik als Konsument in Bezug auf Rap von an­de­ren?

Megaloh: Skills sind mir enorm wich­tig. Ich achte da schon drauf und bin auch ein biss­chen ein Reimfanatiker – ich lege gro­ßen Wert auf die Länge und Reinheit von Reimen. Flow und Stimme sind na­tür­lich auch to­tal wich­tig: Wie prä­sent ist der Künstler auf dem Beat und was hat er zu er­zäh­len? Das ist, glaube ich, in ers­ter Linie mein Problem mit vie­len Rapsachen: Dass ich mir denke, in­halt­lich gibt mir da­von ganz vie­les nichts mehr, weil es nur noch um Party und Frauen geht. Ich hab' das frü­her auch enorm ge­fei­ert und selbst ge­macht, aber wenn ich jetzt zum hun­dert­tau­sends­ten Mal höre, wie sich je­mand dar­auf ab­fei­ert, dass er viele Frauen hatte, lang­weilt mich das nur noch.

MZEE​.com: Wie ist das bei ei­nem neuen Track von ei­nem Künstler, den du fei­erst? Hörst du den schon beim ers­ten Mal mit die­sem kri­ti­schen Blick und ach­test auf Reime und Flow?

Megaloh: Ich ana­ly­siere die Sachen jetzt nicht tot. Wenn es ein Rapper ist, den ich feier', dann höre ich rein und der Beat ist schon aus­schlag­ge­bend. Wenn mir der Beat über­haupt nicht ge­fällt, dann ist es schwer ein­zu­stei­gen – da muss der Künstler flow­tech­ni­sch schon sehr über­zeu­gen. Beat, Flow, Stimme, da­nach kommt der Inhalt und die ge­naue Technik.

MZEE​.com: 2013 hast du auf "Rap ist" die fol­gende Line ge­rappt: "Einzige Mucke, wo man das, was man sagt, auch ver­kör­pern muss". Inwieweit fin­dest du, dass das heute in 2015 über­haupt pas­siert?

Megaloh: Das ist eine gute Frage. Ich denke, es gibt sol­che und sol­che MCs – wie auch frü­her schon. Die ame­ri­ka­ni­sche und fran­zö­si­sche Szene ist zu weit weg, um das auch wirk­lich be­ur­tei­len zu kön­nen. In der deut­schen Szene kennt man die Leute viel­leicht ein biss­chen und blickt mehr hin­ter die Kulissen. Man muss ein­fach mal sa­gen, dass es to­tal viele Image-​Rapper gibt. Das kann lus­tig sein, ist für mich aber eher was Kurzlebiges. Die Sachen, die wirk­lich Bestand ha­ben, sind die, bei de­nen man merkt, dass der Künstler voll hin­ter dem steht, was er sagt, und das auch ver­kör­pert. Davor habe ich auch mehr Respekt als vor je­man­dem, der in die Rolle des Übergangsters schlüpft, aber ei­gent­lich weiß man: Wenn man an ihm pri­vat vor­bei­läuft, guckt er nur auf den Boden. Das gibt mir dann nichts.

MZEE​.com: Das ist auch im­mer die Basis von Rap ge­we­sen, oder? Dass die Leute das er­zäh­len, was wirk­lich pas­siert, und sich nichts aus­den­ken. Kannst du die Musik trotz­dem fei­ern, wenn es eine schöne Geschichte drum­herum gibt, die even­tu­ell nicht der Wahrheit ent­spricht?

Megaloh: Wenn es gut ge­macht und eine Geschichte ist, die mich in­ter­es­siert, dann kann ich mir das na­tür­lich auch an­hö­ren. Es ist für mich nur re­la­tiv schwer, Fan von et­was zu sein – ge­rade, weil ich diese Musik so lange ma­che und da auch sehr kri­ti­sch bin. Ich bin ein Rapfan, aber so rich­tig Fan von ei­nem Künstler schon lange nicht mehr. Der letzte, von dem ich Fan war, war Jay-​Z. Und der hat so ein kras­ses Vermächtnis hin­ter­legt. Er hat auf ei­nem Album nach dem an­de­ren seine Geschichte er­zählt und die ist so reich, mu­si­ka­li­sch und in­halt­lich … Er hat die­ses Straßenbild zum Teil in Perfektion ge­zeich­net. Da kom­men we­nige nach, die mich in der Form so be­ein­dru­cken kön­nen. Es gibt im­mer wie­der ein­zelne Lieder, von de­nen man sagt, dass sie rich­tig cool ge­macht sind. Das kann man dann auch fei­ern und muss nicht die ganze Zeit drü­ber nach­den­ken. Wenn ein Lied gut ge­macht ist, dann ist es halt gut.

MZEE​.com: Bist du ei­gent­lich so ein rich­ti­ger Deutschrap-​Nerd?

Megaloh: (grinst) Überhaupt nicht! Mein Produzent Ghanaian Stallion ist aber an­schei­nend ei­ner. Ich bin wäh­rend den Diskussionen, die wir ha­ben, im­mer wie­der über­rascht, wen er al­les kennt und ich nicht. Das ist echt hart. Ich kenn' so­zu­sa­gen die "Big Dogs": Robbe, Sam, Max … Leute, mit de­nen ich auch chille und zu tun hab'. Ansonsten kommt auch so viel neues Zeug raus, dass ich kaum al­les mit­krieg'. Ab und zu, wenn mein Produzent mir was zeigt, gu­cke ich mir das auch an und merke mir viel­leicht auch den Künstler. Aber ich habe die Tage über schon wie­der so viele Namen ge­hört und Gesichter ge­se­hen … Ich kenn' mich an­schei­nend nicht aus. (lacht)

MZEE​.com: In dei­ner Biografie ha­ben wir ein wei­te­res sehr in­ter­es­san­tes Zitat von dir ge­fun­den, über das wir gerne spre­chen wür­den: "Ich weiß, dass Musik hei­len kann". Kann sie denn in dei­nen Augen auch das Gegenteil be­wir­ken?

Megaloh: Ja, ich denke schon. Man kann Musik jetzt nicht die Verantwortung ge­ben, wie sie es bei Hafti ver­sucht ha­ben, weil der Schläger von Tugce seine Musik ge­hört hat, aber sie hat auf je­den Fall auch eine zer­stö­re­ri­sche Kraft. Wenn die ganze Zeit Hass pro­pa­giert wird und je­mand, der la­bil oder dau­ernd ne­ga­tiv drauf ist, sich das nur an­hört. Das hat dann na­tür­lich auch ei­nen Einfluss auf die Menschen. Das ist jetzt nicht nur auf Hafti be­zo­gen, son­dern all­ge­mein. Musik hat ei­nen Einfluss, das ist klar. Aber man kann die Verantwortung nicht al­leine den Künstlern ge­ben, letzt­end­lich ist das ja auch Kunst. Wenn sich je­mand dazu be­ru­fen fühlt, ne­ga­tive Musik zu ma­chen und das sein Ding ist, weil es sein Ventil ist, dann ist das halt so. Ich sehe das ein biss­chen an­ders. Ich habe in dem Zusammenhang zum Beispiel auch eine Geschichte, die ich er­zäh­len kann. Das soll jetzt nicht selbst­be­weih­räu­chernd sein, aber ein Arbeitskollege von mir hat eine kleine Tochter, die neun oder zehn Jahre alt ist, und die hatte was an der Lunge, so­dass sie je­des halbe Jahr zu ei­ner OP mus­ste, weil sie kaum at­men konnte. Er ist ein Fan von mei­ner Musik, hat ihr Sachen ge­zeigt und – woran das auch im­mer lag – sie hat daran ei­nen Besen ge­fres­sen. Ich habe sie auch schon­mal ge­trof­fen und sie hat ein­fach so ein wahn­sin­nig gu­tes Gefühl durch die Musik be­kom­men – ge­rade vom Song "Loser“ –, dass sie ge­sagt hat: "Ey, ich bin kein Loser!" Jetzt hat sie seit zwei­ein­halb Jahren keine OP mehr ge­braucht. Ich will nicht sa­gen, dass es nur mit der Musik zu tun hat, aber mein Kollege ist da­von über­zeugt. Seit sie das hört, hat ihr das viel ge­ge­ben. Und das gibt mir wie­derum wahn­sin­nig viel – wenn man tat­säch­lich sieht, dass Musik hel­fen kann.

MZEE​.com: Du setzt dich auf dei­nen Internetpräsenzen re­gel­mä­ßig mit Themen wie PEGIDA oder der Flüchtlingspolitik in Deutschland aus­ein­an­der und regst da­mit Diskussionen und Gespräche un­ter dei­nen Fans an. Siehst du dich als Person, die in der Öffentlichkeit steht, dazu ver­pflich­tet, sol­che Themen an­zu­spre­chen?

Megaloh: Ja, de­fi­ni­tiv. Ich denke, je­der Künstler, der mehr Aufmerksamkeit hat als ein Mensch, der nor­mal im Büro ar­bei­tet und nicht so viele Leute er­rei­chen kann, hat eine Verantwortung, auf Ungerechtigkeiten in der Welt oder viel­leicht auch nur in Deutschland hin­zu­wei­sen. Ich kann nicht nur die ganze Zeit neh­men – ich finde, man muss auch was ge­ben. Und das ist das Mindeste, das ich ma­chen kann. Den Leuten ein­fach zu sa­gen, dass nicht im­mer al­les nur schön ist und wir auf der Bühne fei­ern, son­dern, dass es wirk­li­che Probleme gibt. Menschen, die echte Probleme ha­ben, lei­den oder de­nen Ungerechtigkeiten wi­der­fah­ren. Vielleicht hilft es Leuten, die sonst kei­nen Zugang dazu ha­ben in die Thematik rein­zu­kom­men, wenn ein Künstler, den sie fei­ern, so et­was pos­tet. Damit ist auch schon ein biss­chen was ge­won­nen.

MZEE​.com: Findest du, dass Rap in Deutschland zu viel, ge­rade rich­tig oder zu we­nig po­li­ti­sch en­ga­giert ist?

Megaloh: Ich würde da noch­mal zwi­schen der Musik, die man macht, und dem, was man als Künstler nach au­ßen hin ver­kör­pert, un­ter­schei­den. Ich finde nicht, dass Rapper un­be­dingt po­li­ti­sch rap­pen müs­sen. Das muss man ein­fach kön­nen und ist eine schmale Gratwanderung, die auch nach hin­ten los­ge­hen kann. Man kann schnell zu Preacher-​mäßig wir­ken oder wie Lehrer Lämpel. Ich denke, es ist auf je­den Fall wich­tig, au­ßer­halb der Musik, die man macht, auch Statements ab­zu­ge­ben oder sich viel­leicht so­zial zu en­ga­gie­ren und mit der Aufmerksamkeit, die man als Person be­kommt, auf sol­che Dinge hin­zu­wei­sen.

(Florence Bader & Kristina Scheuner)
(Fotos von Kai Bernstein)