Haftbefehl_Unzensiert

Haftbefehl – Unzensiert

Heute rappt je­der auf Kanakisch, doch ich ha­be das Patent.

Man kann den Wettbewerbscharakter der Szene eben auch für Eigenwerbung nut­zen, oh­ne da­bei in ni­veau­lo­se Beefereien und lä­cher­li­che Promo-​Moves ab­zu­drif­ten. Und so zieht Haftbefehl nach der (Vielleicht-)Antwort auf den Pol1z1stens0hn und dem en­er­gy­drink­ge­tränk­ten Showkampf mit Sido plötz­li­ch ein ver­früh­tes Weihnachtsgeschenk aus sei­ner Bauchtasche – brand­neu und "un­zen­siert".

Gut, "neu" be­deu­tet hier­bei nicht, dass si­ch Hafti von ei­ner an­de­ren Seite als son­st zeigt. Und "un­zen­siert" ist in dem Fall auch nicht un­be­dingt ein Indikator für un­ge­ahn­te Härte. Doch an Weihnachten geht es ja so­wie­so eher um Tradition und da kommt so ei­ne klei­ne Portion des ge­wohn­ten Azzlack-​Flavours durch­aus ge­le­gen. Soundtechnisch zeigt si­ch vor al­lem Bazzazian ver­ant­wort­li­ch, der dem Babo und sei­ner ewiglan­gen Featureliste ei­ne gan­ze Reihe von bass­las­ti­gen Straßenbeats zur Verfügung stellt. Die Gäste wie­der­um be­dan­ken si­ch da­für mit ei­ner Spritztour durch Frankfurt ("Rolle auf Chrom" mit Celo & Abdi), der Verwandlung von Neidern in Bewunderer ("Hater wer­den Fans" mit Moses P.) und dem Verticken von Heroin ("Golden Brown" mit Xatar). Zusätzlich gibt es dann no­ch ein paar Gimmicks wie "Brudi na­mens Fuffi", in dem aus der Sicht ei­nes Zahlungsmittels er­zählt wird, oder den ge­mein­sa­men Ausflug in Cloudrap-​Gefilde mit Capo und Ufo361. Alles in al­lem al­so ge­n­au das, was man si­ch von Hafti wünscht. Wobei auf das wie­der­hol­te Skandieren der "Rothschildtheorie" und vor al­lem die Hymne der Verschwörungsfans "Hang the Bankers" mit Olexesh ger­ne ver­zich­tet wer­den könn­te. Wer si­ch aber in der Promo-​Phase schon mit nie­man­dem wirk­li­ch zofft, der darf da­na­ch zu­min­dest ge­gen ein paar ima­gi­nä­re Feinde und Reptiloide schie­ßen.

Die Fans von Haftbefehl schei­nen si­ch ein Beispiel am Babo ge­nom­men zu ha­ben und wa­ren in die­sem Jahr be­son­ders ar­tig. Denn was Hafti Abi hier für sie hat, ist glei­cher­ma­ßen viel­fäl­tig wie rund und ver­süßt – trotz ein oder zwei et­was frag­wür­di­gen Stellen – das Ende des Jahres or­dent­li­ch.

(Daniel Fersch)

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