Unterwegs mit dem Graffitidoktor

Wir alle lie­ben Hip­Hop – uns gefällt so ziem­lich alles, was mit der Kul­tur zusam­men­hängt. Und wenn wir etwas mal nicht fei­ern, kön­nen wir ihm oft zumin­dest posi­ti­ve Aspek­te abge­win­nen. Bei dem Blick auf die Sze­ne durch die­se "rosa­ro­te Bril­le" ist es oft unver­ständ­lich, war­um es Men­schen gibt, für die Hip­Hop oder eini­ge Berei­che davon schlicht­weg ein rotes Tuch sind. Klar, über Geschmack lässt sich bekannt­lich strei­ten – und Anläs­se gibt es dafür tat­säch­lich zur Genü­ge. Anwoh­ner von Ver­an­stal­tungs­ge­län­den beschwe­ren sich über Müll und Lärm­be­läs­ti­gung, wäh­rend Fes­ti­val­be­su­cher aus­ge­las­sen ihrer Lei­den­schaft nach­ge­hen und die Musik fei­ern. Jugend­li­che rap­pen begeis­tert jede Zei­le von Haft­be­fehls "Cha­bos wis­sen wer der Babo ist" mit, par­al­lel dazu bekla­gen Sprach­wis­sen­schaft­ler und Beam­te den Ver­fall der deut­schen Spra­che. Bahn- und Gebäu­de­rei­ni­ger müs­sen Über­stun­den machen, um "Schmie­re­rei­en", die von ande­ren als Kunst­wer­ke betrach­tet wer­den, zu ent­fer­nen. Wir möch­ten an die­ser Stel­le einen Brü­cken­schlag wagen, indem wir die "ande­re Sei­te" zu Wort kom­men las­sen, um nach­zu­voll­zie­hen, wie sich Vor­ur­tei­le gegen­über Hip­Hop bil­den und wes­halb Pro­ble­me ent­ste­hen.

 

In Zei­ten, in denen Gesund­heit und kör­per­li­ches Wohl­be­fin­den mehr denn je im gesell­schaft­li­chen Fokus ste­hen, schie­ßen über­all neue, noch bes­se­re Heil- und Fit­ness­ver­fah­ren her­vor. Und sie hören nicht beim Men­schen auf. Osteo­pa­then für Pfer­de, Hyp­no­ti­seu­re für Hun­de und Kat­zen oder Pflan­zen­ärz­te sor­gen dafür, dass der Homo sapi­ens nicht nur sich selbst, son­dern auch sein Umfeld – leben­dig oder nicht – rund­um fit hal­ten kann. Da passt es ganz gut, dass Deutsch­land auch einen eige­nen "Graf­fit­i­dok­tor" hat. Das klingt erst mal so, als gäbe es eine Per­son, die man beauf­tra­gen kann, um beschä­dig­te oder ver­bli­che­ne Wer­ke von Künst­lern repa­rie­ren bezie­hungs­wei­se "hei­len" zu las­sen. Doch die­ser Schein trügt …

Eine Stra­ße im Köl­ner Stadt­teil Grem­berg: An der Fas­sa­de eines denk­mal­ge­schütz­ten Hau­ses prangt ein Pie­ce, das auf­grund der unge­wollt wir­ken­den Lack­na­sen kaum zu erken­nen ist und ins­ge­samt nicht gera­de von hand­werk­li­chem Geschick zeugt. Ein lau­tes Zischen ist zu hören. Sekun­den­bruch­tei­le spä­ter prallt ein Gemisch aus Was­ser und Sand aus einem spe­zi­el­len Nie­der­druck­strahl­sys­tem auf die Haus­wand – und das Pie­ce beginnt zu ver­schwin­den. Das Strahl­sys­tem wird von nie­mand ande­rem bedient als dem "Graf­fit­i­dok­tor" Micha­el Krut­wig: "Ich möch­te mich um die Fas­sa­de küm­mern. Wie ein Arzt um die Haut. Und die­ser Haut wid­me ich mich. Ich mache sie also nicht ein­fach nur sau­ber, son­dern begut­ach­te sie erst und über­le­ge, wie ich beson­ders ‚hautscho­nend‘ vor­ge­hen kann, um sie zu pfle­gen und pro­phy­lak­tisch zu schüt­zen." Micha­el, 56 Jah­re alt, ist pro­fes­sio­nel­ler Fas­sa­den­rei­ni­ger mit dem Schwer­punkt auf Graffiti-​Entfernung. Der Köl­ner "heilt" und schützt also kei­ne Graf­fi­tis, son­dern Wän­de und Flä­chen, auf denen zum Leid­we­sen und Ärger vie­ler Bür­ger die­se uner­wünsch­ten Male­rei­en zu fin­den sind. Nor­ma­ler­wei­se rückt er der Ver­un­rei­ni­gung nur mit einem Schwamm und war­mem Was­ser zu Lei­be, um die Stein­struk­tur nicht zusätz­lich zu schä­di­gen. "Hautscho­nend" eben. Aber in beson­de­ren Här­te­fäl­len wie die­sem, wenn die Far­be bereits in die Wand ein­ge­zo­gen ist, kom­men eben auch mal schwe­re­re Geschüt­ze zum Ein­satz.

Doch wie kommt man zu so einem Beruf? Eigent­lich ist der Graf­fit­i­dok­tor näm­lich gelern­ter Flug­zeug­me­cha­ni­ker. Wegen der man­geln­den Zukunfts­per­spek­ti­ve wech­selt er jedoch den Job und wird zunächst Fah­rer bei einem gro­ßen städ­ti­schen Ver­kehrs­un­ter­neh­men. Irgend­wann nimmt er intern eine neue Stel­le an und ist ab da zustän­dig für die Lie­gen­schaf­ten des Unter­neh­mens, unter ande­rem auch für deren Fas­sa­den. "Auf die­sem Weg bin ich näher mit Graf­fi­ti in Kon­takt gekom­men. So habe ich mich dort qua­si schlau gemacht, das nöti­ge Know-​How gesam­melt." Par­al­lel dazu macht er sei­nen Betriebs­wirt und einen Tech­ni­ker­ab­schluss. Mit die­ser brei­ten Basis ist für ihn vor fünf Jah­ren, als das Arbeits­ver­hält­nis mit dem Ver­kehrs­be­trieb endet, schnell klar, wohin sein Weg geht. "Beim Arbeits­amt gab es nichts für mich, denn für ein regu­lä­res Ange­stell­ten­ver­hält­nis war ich zu alt. Also blieb außer der Selbst­stän­dig­keit nicht viel übrig. Und da habe ich mir gedacht: Wenn du dich in irgend­ei­nem Bereich als Fach­mann siehst, dann in die­sem." Und die Ent­schei­dung, sich als "Graf­fit­i­dok­tor" selbst­stän­dig zu machen, scheint die Rich­ti­ge gewe­sen zu sein: Micha­el kann sich vor Auf­trä­gen kaum ret­ten und ist nicht nur im Köl­ner Raum, son­dern auch über­re­gio­nal unter­wegs. Einen bestimm­ten Kun­den­typ gibt es dabei nicht – es sind Men­schen quer durch alle Gesell­schafts­schich­ten und Fir­men ver­schie­dens­ter Art, die schlicht­weg genervt sind von den Ver­un­rei­ni­gun­gen an ihren Häu­ser­fas­sa­den. Hin­sicht­lich sei­nes per­sön­li­chen Beweg­grun­des für die­se Berufs­wahl teilt Micha­el da die Ansicht sei­ner Kun­den: "Es ist ganz sim­pel: Ich als Eigen­tü­mer möch­te das an mei­ner Wand nicht haben. Das ist mein Haus, mei­ne Fas­sa­de. Und wenn einem die­se Fas­sa­de nicht gefällt, ist das nicht mein Pro­blem." Die­se Ansicht ist zwar sehr kon­ser­va­tiv, wie er selbst fin­det, aus Eigen­tü­mer­sicht aber durch­aus nach­voll­zieh­bar.

Gleich­wohl betont er aber, dass er gut gemach­te Spray­kunst durch­aus schätzt: "Gutes Graf­fi­ti ist Kunst, Punkt. Ich den­ke, dar­über braucht man auch nicht zu dis­ku­tie­ren. Da, wo es erlaubt ist, ist das auch voll okay. Ich wer­de auch in der Regel nicht geru­fen, um schö­ne, auf­wen­di­ge Kunst­wer­ke zu ent­fer­nen. Es han­delt sich dabei wirk­lich fast aus­schließ­lich um unan­sehn­li­ches Gekra­kel oder Schmie­re­rei­en von Leu­ten, die ihr Hand­werk nicht beherr­schen. Im Zwei­fel gefällt ihre Arbeit nur ihnen selbst oder maxi­mal noch ein, zwei Leu­ten in der Sze­ne – aber sonst lei­der nie­man­dem." Dem­entspre­chend war er noch nie son­der­lich trau­rig, dass er ein bestimm­tes Pie­ce oder Tag ent­fer­nen muss­te – dafür aber hin und wie­der ein biss­chen stolz. Bei­spiels­wei­se waren vor kur­zem an der Glas­front eines öffent­li­chen Stadt­ge­bäu­des üble Belei­di­gun­gen gegen eine Mit­ar­bei­te­rin inklu­si­ve ihrem Namen und Tele­fon­num­mer zu lesen. In die­sem Fall hat Micha­el sonn­tags eine Extra­schicht ein­ge­legt, damit die Schmie­re­rei­en am fol­gen­den Werk­tag bei Öff­nung der Behör­de gar nicht mehr sicht­bar waren. "Hier muss man schnell han­deln, damit sol­che Pöbe­lei­en ihre Wir­kung ver­lie­ren."

DSC_0062bearb

Der Graf­fit­i­dok­tor Micha­el bei der Arbeit – in Här­te­fäl­len auch mit "schwe­rem Gerät".

Neben Sach­be­schä­di­gung, Ver­schmut­zung und even­tu­el­ler Belei­di­gung hat der Graf­fit­i­dok­tor aber auch noch einen wei­te­ren, sehr uner­freu­li­chen Aspekt bei sei­ner Arbeit "gegen" Graffiti-​Künstler im Blick: die Gefahr für Rei­ni­gungs­kräf­te bei der Ent­fer­nung von mit Säu­re gemisch­ter Mar­kerfar­be. "In Köln war das zum Glück nie ein gro­ßes The­ma, in Ber­lin dafür eini­ge Zeit lang ein ech­tes Pro­blem. Die Sache ist, dass die säu­re­hal­ti­gen Far­ben beim Kon­takt mit Was­ser reagie­ren und hoch­gif­ti­ge Dämp­fe erzeu­gen, die für die Rei­ni­gungs­kraft aber lei­der nicht wahr­zu­neh­men sind. Dadurch ent­ste­hen irrepa­ra­ble Gesund­heits­schä­den und so sind lei­der auch eini­ge Men­schen ernst­haft ver­letzt wor­den – da sind wir im Bereich der gefähr­li­chen Kör­per­ver­let­zung, wo für mich der Spaß ein­fach auf­hört." Die Fra­ge, ob die­se zum Teil auch gefähr­li­che Arbeit abge­se­hen vom Risi­ko nicht ohne­hin ein typi­scher "Kampf gegen Wind­müh­len" ist, stellt sich für Micha­el jedoch nicht. Obwohl es mit ihm zusam­men deutsch­land­weit nur rund fünf oder sechs Spe­zia­lis­ten auf die­sem Gebiet der Graffiti-​Entfernung gibt, sieht er trotz der gefühl­ten Über­macht von poten­zi­el­len Wri­tern die posi­ti­ven Ergeb­nis­se sei­ner Tätig­keit: "Graffiti-​Lack ist nicht preis­wert, das Auf­sprü­hen ist auf­wen­dig und kos­tet Ner­ven. Und Ziel soll ja sein, dass es mög­lichst lang zu sehen ist." Wenn ein Haus­ei­gen­tü­mer die Wer­ke an sei­ner Wand aber immer wie­der zügig ent­fer­nen lie­ße, gäbe der Spray­er rela­tiv schnell auf. Die­se The­se ver­deut­licht Micha­el auch am Bei­spiel eines Berufs­kol­le­gen aus Berlin-​Kreuzberg: "Er hat­te einen Rah­men­ver­trag mit einem Haus­ei­gen­tü­mer, wes­we­gen er des­sen Fas­sa­de per­ma­nent sau­ber gemacht hat. In den ers­ten acht Wochen war er fast täg­lich vor Ort, danach erst wie­der nach vier Wochen. Und dann war er zwei Jah­re lang nicht mehr da. Es hat also funk­tio­niert." Es gin­ge ihm aber gar nicht dar­um, der Graffiti-​Szene den Krieg anzu­sa­gen und sie mit allen Mit­teln zu bekämp­fen: "Graf­fi­ti ist eine Art des Aus­drucks, das ist also ein sozia­les The­ma bezie­hungs­wei­se Pro­blem. An die­sem gesell­schaft­li­chen Pro­blem kann und will ich nicht rüh­ren. Aber ich kann dem Ein­zel­nen hel­fen, sei­ne Fas­sa­de best­mög­lich zu rei­ni­gen und zu schüt­zen."

Des­halb macht sich Micha­el neben dem Ent­fer­nen von Schmie­re­rei­en auch Gedan­ken über lega­le Alter­na­ti­ven für Graffiti-​Künstler, damit die­se ihrer Pas­si­on nach­ge­hen kön­nen. Sei­ner Mei­nung nach gibt es näm­lich durch­aus vie­le freie Flä­chen in Deutsch­land, auf denen ansehn­li­che Spray­kunst allein schon zur Auf­wer­tung des oft viel zu grau­en Umge­bungs­bilds sinn­voll wäre. Und eine beauf­trag­te, gut gesprüh­te Wand kann außer­dem auch Prä­ven­ti­on gegen künf­ti­gen Van­da­lis­mus, also eine alter­na­ti­ve Form des Wand­schut­zes, sein. Des­halb berät Micha­el Kun­den bei Bedarf auch zu der Mög­lich­keit, ihre Wand besprü­hen zu las­sen: "Wenn ich sehe, dass eine Fas­sa­de immer wie­der atta­ckiert und beschmiert wur­de, sage ich dem Kun­den ganz klar: Pass auf, ich habe hier einen begab­ten Künst­ler. Lass dir von ihm die Wand ordent­lich gestal­ten und dann hast du dei­ne Ruhe." Erfah­run­gen damit hat er bereits in sei­ner Zeit beim Ver­kehrs­be­trieb gemacht. In die­sem Rah­men hat er bei­spiels­wei­se die Künst­ler vom Köl­ner Graffiti- und Jugend­kunst­pro­jekt "Mitt­wochs­Ma­ler" enga­giert, um eine Bahn­hal­te­stel­le des Unter­neh­mens zu ver­schö­nern. Die Sta­ti­on, die bis dahin als Schand­fleck unter den Bür­gern galt, erfuhr durch die Akti­on nicht nur eine opti­sche Auf­wer­tung, son­dern gab den Fahr­gäs­ten gleich­zei­tig eine gewis­se Sicher­heit zurück. Und außer­dem hat das Gan­ze den net­ten Neben­ef­fekt, dass die Künst­ler die öffent­li­che Wert­schät­zung für ihr Tun erfah­ren – und zwar ganz ohne die Gefahr, gebus­tet zu wer­den. "Die Leu­te waren total begeis­tert und moti­viert. Teil­wei­se haben sie Tag und Nacht am Bahn­steig gesprüht, weil sie so einen Spaß bei der Sache hat­ten. Für vie­le war es wahr­schein­lich das ers­te Mal in ihrem Leben, das sie das legal irgend­wo tun konn­ten", erin­nert sich Micha­el. Sei­ner Mei­nung nach braucht es viel mehr sol­cher Aktio­nen oder gene­rell mehr lega­le Flä­chen, um beson­ders Jugend­li­che vor dem Abrut­schen in die Kri­mi­na­li­tät bewah­ren. Außer­dem bestehe die Chan­ce, dass man so vie­len Pseudo-​Writern, die sich ohne Bezug zur Sze­ne mit einem Edding bewaff­nen und wild drauf­los­schmie­ren, die Lust nimmt, weil der Kick des Erwischt­wer­dens nicht mehr vor­han­den ist. Aktu­ell berät Micha­el die Auf­trag­ge­ber einer Stadt im Wes­ten des Lan­des, die eini­ge ihrer Gebäu­de­fas­sa­den eben­falls für ein sol­ches Pro­jekt zur Ver­fü­gung stel­len will.

DSC_0074bearb

Family-​Business: Micha­el und sein Sohn (rechts), der im väter­li­chen Betrieb mit­ar­bei­tet.

Aller­dings müss­ten sol­che Akti­vi­tä­ten sei­tens der Ver­ant­wort­li­chen gut über­legt sein, da der Grat zwi­schen ihrem Erfolg und ihrem Schei­tern sehr schmal ist. Micha­el nennt das Nega­tiv­bei­spiel einer Stadt in Süd­deutsch­land, die den Spray­ern zunächst lega­le Flä­chen zuge­stan­den hat, kurz danach jedoch schon wie­der ent­zog. Die Fol­gen für vie­le Häu­ser­wän­de der City waren klar: "Das ist wie bei einem Kind: Gib ihm ein neu­es Spiel­zeug und nimm es ihm ohne Grund direkt wie­der weg. Ist doch ver­ständ­lich, dass es anfängt, rum­zu­bo­cken und zu schrei­en." Aber gene­rell sei die Poli­tik nach Micha­els Gefühl über die letz­ten Jah­re viel sen­si­bler im Umgang mit dem The­ma "Graf­fi­ti" gewor­den. Aller­dings auch in Hin­blick auf die Straf­ver­fol­gung. "Das ist das ewi­ge Katz-​und-​Maus-​Spiel. Die einen über­le­gen sich etwas, um dage­gen vor­zu­ge­hen, die ande­ren über­le­gen sich dar­auf­hin etwas Neu­es, um das dann wie­der zu umge­hen." Einen über­mä­ßi­gen Anstieg von sinn­lo­sen Schmie­re­rei­en im Ver­gleich zu "ech­ter Kunst" sieht Micha­el bei sei­ner Arbeit aller­dings nicht.

Doch was wür­de der Graf­fit­i­dok­tor eigent­lich tun, wenn sei­ne eige­nen Kin­der auf die Idee kämen, nachts los­zu­zie­hen und eine Wand oder einen Zug zu bema­len? Immer­hin ist er zwei­fa­cher Vater und sei­ne Kin­der in einem Alter, in dem man mit der The­ma­tik in Berüh­rung kom­men und sich im Zwei­fel auch dafür inter­es­sie­ren könn­te. Aber Micha­el betrach­tet das ganz prag­ma­tisch: "Ich wür­de ihnen erst mal die Rech­nung mei­ner Rei­ni­gung zei­gen, damit sie ein Ver­ständ­nis dafür bekom­men, was sie da ange­rich­tet haben. Und dann bekä­men sie eine Zahn­bürs­te in die Hand und dürf­ten damit einen Tag für mich arbei­ten." Die Gefahr sieht er jedoch nicht, da sei­ne Toch­ter kein Inter­es­se an Graf­fi­ti zeigt und sein Sohn neben der Schu­le schon im väter­li­chen Betrieb arbei­tet. Und zwar frei­wil­lig, wie Micha­el augen­zwin­kernd hin­zu­fügt.

Zurück in Köln-​Gremberg: Micha­el gibt sei­nem Sohn ein Hand­zei­chen und die­ser schal­tet den Motor des Strahl­sys­tems aus. Der Graf­fit­i­dok­tor schaut sich das Ergeb­nis sei­ner Arbeit an: Die Wand, an der vor­hin noch besag­tes Pie­ce zu sehen war, ist nun "farb­frei". Aller­dings ist der Stein an der behan­del­ten Stel­le nun ein wenig hel­ler als der Rest der Fas­sa­de. Bei dem Dreck durch Auto­ab­ga­se wer­de sich das aber bald wie­der aus­glei­chen, sagt Micha­el. Damit künf­tig kein Wri­ter erneut die­se Flä­che als Lein­wand für sei­ne "Kunst" nut­zen kann, bekommt die Wand noch eine che­mi­sche Schutz­schicht ver­passt. Durch sie kann die Far­be nicht in den Stein ein­zie­hen und Gespray­tes künf­tig ganz ein­fach mit war­mem Was­ser wie­der ent­fernt wer­den. Mis­si­on abge­schlos­sen – doch aus­ru­hen ist nicht drin. Der nächs­te Ein­satz, die nächs­te mehr oder weni­ger unan­sehn­lich bemal­te Wand, war­tet schon.

(Sascha Koch)