Manfred Groove – Ton Scheine Sterben

Denn im HipHop-​Universum hat alles einen Grund …
Nur ist der meis­tens lei­der ziem­lich dumm.

Irgend­wo zwi­schen Genie und Wahn­sinn, zwi­schen Rebel­li­on und Sym­pa­thie gegen­über Hip­Hop fin­det man Man­fred Groo­ve. Wobei das HipHop-​Duo, wel­ches aus Pro­du­cer Yel­low­Coo­kies und Rap­per Milf Ander­son besteht, wohl gene­rell schwer zu fin­den ist. Manch einer kennt viel­leicht ihre 1000 Bars "Von Nichts" aus dem letz­ten Jahr, aber ihre Debüt-​EP "Das Man­ni­fest" aus dem Jah­re 2013 wird wohl nur den Wenigs­ten ein Begriff sein. Ihr Debüt­al­bum "Ton Schei­ne Ster­ben" bringt sie nun auf den Radar und wird bewor­ben als "Hip­Hop für Erwach­se­ne" – aber ist da auch was dran?

Die Schei­be hat es defi­ni­tiv in sich. Schon im Intro wird man von einem fun­ki­gen Vocal-​Sample will­kom­men gehei­ßen, bevor die Sna­re lang­sam ein­setzt und Milf Ander­son eini­ge Zei­len über das Duo hin­flext. Ein star­ker Ein­stieg in das Album, wel­chem ver­schie­dens­te Tracks mit einer Gesamt­lauf­zeit von über einer Stun­de fol­gen. Dass sie bei einer der­ar­ti­gen Spiel­län­ge über­zeu­gen, ohne den Hörer zu lang­wei­len, ist äußerst beacht­lich. Dies liegt unter ande­rem an den abwechs­lungs­rei­chen Beats von Yel­low­Coo­kies, wel­che von schnel­lem Jazz über old­schoo­li­ge Sam­ples bis hin zu Elec­tro sämt­li­che Stil­rich­tun­gen abde­cken. Trotz­dem ergibt das alles einen kom­plett stim­mi­gen HipHop-​Sound. Erfri­schend anders, zumal neben den klas­si­schen, knal­len­den Kick­drums auch Gitar­ren, Kla­ri­net­ten und Blech­blas­in­stru­men­te zum Ein­satz kom­men. Des Wei­te­ren liegt es aber auch an den Zei­len des Ber­li­ner Rap­pers, dass die Lauf­zeit der Plat­te wie im Flug ver­geht. Mit einer Stim­me, die man viel­leicht mit der von Edgar Was­ser ver­wech­seln könn­te, und Tex­ten, wel­che mal sinn­frei, mal tief­sin­nig sind, über­zeugt Milf Ander­son auf gan­zer Län­ge. Ob ein kri­ti­scher Blick auf die Sze­ne "vom Jäger­sitz aus" oder ein selbst­dar­stel­len­der Par­tyt­rack: Alles wird äußerst bild­haft dar­ge­stellt. Auch die selbst ein­ge­rapp­ten sowie gesun­ge­nen Hooks klin­gen stark, da braucht es kei­ne gro­ßen Fea­ture­gäs­te mehr. Nur Label­kol­le­ge T der Bär unter­stützt Man­fred Groo­ve auf einem Track. Im letz­ten Song wird außer­dem unter ande­rem mit den Frei­den­kern über den Tod sin­niert – und das stets auf rap­t­ech­ni­scher Augen­hö­he mit dem Inter­pre­ten selbst.

Kurz gesagt: Wie aus dem Nichts brin­gen die zwei Künst­ler des Labels Rum­mel­platz­mu­sik ein star­kes Stück Musik auf den Markt, wel­ches mich auch nach mehr­ma­li­gem Hören durch Witz, Tief­sinn und die gelun­ge­ne Instru­men­tie­rung über­zeugt. Das Ver­wen­den von HipHop-​Klischees, nur um eben­die­se gleich­zei­tig durch den Kakao zu zie­hen, mag man­che viel­leicht auf dem fal­schen Fuß erwi­schen. Für alle ande­ren gilt zu dem Album nur zu sagen: "Und hof­fent­lich bald hört man über­all nur noch Ton Schei­ne Ster­ben" (Milf Ander­son auf "Intro – gon­na be fon­key").

(Lukas Päck­ert)

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