Jaysus – Sünde

Frag mich nicht, was man bezahlt, bis man ein Pro­fi ist.
Die Geschich­te hat 'nen lan­gen Bart – so wie ich.

Man könn­te fast mei­nen, der Fried­richs­ha­fe­ner Jay­sus hole sich sei­ne Inspi­ra­ti­on aus der Bibel­stun­de. Auf dem letz­ten Album noch befass­te er sich mit Leu­ten, die von Gott geliebt wer­den – für alle, die es nicht mehr wis­sen: die Gedul­di­gen. Das neu­es­te Werk wid­met er jetzt der Sache, die Gott am wenigs­ten lei­den kann: der "Sün­de".

Und da sich im deut­schen Rap wohl mehr Sün­der als in jeder ande­ren Musik­sze­ne fin­den las­sen (die Volks­mu­sik mal aus­ge­nom­men), soll­te ihm der Gesprächs­stoff bei dem The­ma auch nicht so schnell aus­ge­hen. Könn­te man zumin­dest mei­nen. Doch tat­säch­lich han­delt das Album weder vom lamm­from­men Jay­sus auf dem Pfad der Gerech­ten noch von dem Sün­den­pfuhl, in dem sich manch ande­rer badet. Den Hörer erwar­tet ledig­lich Straßenrap-​Standard. Die­sel­ben Geschich­ten und Phra­sen, wie man sie bereits von zu vie­len Rap­pern hören durf­te. Irgend­wo fin­det Jay­sus, der stolz dar­auf ist, "Alte Schu­le" zu sein, in sei­nem Leben Par­al­le­len zu "2Pac" und warnt Fein­de davor, ihm zu nahe zu kom­men, da "die­ser Hund beißt". Das Ein­zi­ge, das immer wie­der an den Album­ti­tel erin­nert, sind die über die gesam­te Lauf­zeit ver­streu­ten "Sünde"-Adlibs, die jedoch eher wie ein ner­vi­ger Schluck­auf als ein sti­lis­tisch roter Faden wir­ken. Immer­hin hebt der Rap­per sich tech­nisch stark vom Durch­schnitt ab und weiß auf den Trap-​lastigen Beats mit Dou­ble­time­pas­sa­gen sowie durch­aus hör­ba­ren Hooks zu über­zeu­gen. Wie er sei­ne Geschich­ten erzählt, wird nur eben stark durch das geschmä­lert, was Jay­sus zu sagen hat – wes­halb der Gesamt­ein­druck gemin­dert und das Album letzt­lich irgend­wie belang­los wird.

Was Tech­nik und Flow betrifft, kann über die Plat­te des ehe­ma­li­gen Chablife-​Members abso­lut nicht geme­ckert wer­den. Den­noch man­gelt es dem Gan­zen an einem Allein­stel­lungs­merk­mal, einem inhalt­li­chen Kon­zept, um als Gesamt­werk zu funk­tio­nie­ren. Für wen zum Hör­ge­nuss also mehr nötig ist als ein­wand­frei­er Rap, gilt frei nach Jay­sus' Beinahe-​Namensvetter: Wer ohne "Sün­de" ist, der belas­se es dabei.

(Dani­el Fersch)

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(Ama­zon mp3)

iTu­nes: Jay­sus – Sün­de

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