EckePrenz by Hanna Heider - Foto-Rock.com

Ecke Prenz

Wer viel auf Rap-​Festivals und –Jams un­ter­wegs ist, hat sie ver­mut­li­ch schon auf ei­nem Flyer oder ir­gend­wo zwi­schen Konzerten rum­lau­fen ge­se­hen: Ecke Prenz sind zum ei­nen als DJ-​Team, zum an­de­ren als DJs für Damion Davis und Audio88 & Yassin re­gel­mä­ßig in ganz Deutschland un­ter­wegs. Jeden Monat ver­sor­gen die bei­den Berliner uns au­ßer­dem in ei­ner ei­ge­nen Internet-​Radiosendung mit ih­rer Lieblingsmusik und "Gschichtn aus dem Prenzl'Berg". Wir ha­ben mit V.Raeter und Breaque über den Prenzlauer Berg, ih­re ge­plan­te Instrumentalplatte und neue Wurstinnovationen ge­spro­chen.

MZEE​.com: Wir ha­ben ein klei­nes Problem: Wir sind Nicht-​Berliner. Was macht den Prenzlauer Berg denn so geil, dass ihr eu­ch gleich da­na­ch be­nannt habt?

Breaque: In ers­ter Linie ist die Gegend geil, weil das un­ser Zuhause ist und wir da halt im­mer rum­hän­gen. Der Name ist ja auch nur ent­stan­den, weil wir im­mer an der ei­nen Ecke rum­ge­han­gen ha­ben.

V.Raeter: Der Prenzlauer Berg, den wir cool fin­den, ist jetzt aber nicht un­be­dingt der, der gra­de exis­tiert. Es geht ein­fach ums Heimatgefühl, des­halb ist er auch im Namen. Ich weiß gar nicht, ob der Prenzlauer Berg jetzt no­ch so geil ist. Aber der ist schon geil.

MZEE​.com: Wieso ist der Prenzlauer Berg denn nicht mehr so geil?

V.Raeter: Es hat si­ch schon wahn­sin­nig viel ver­än­dert. Der letz­te Club hat ir­gend­wie vor drei, vier Jahren ge­schlos­sen und es ist echt so ei­ne su­per do­mes­ti­zier­te Nachbarschaft. Ab zehn Uhr sind die Bürgersteige hoch­ge­klappt. Es gibt zwar schon Ecken, an de­nen no­ch was los ist, aber so, wie es no­ch vor zehn, fünf­zehn Jahren war, ist es heu­te nicht mehr. Es hat ein­fach ein Generationswechsel statt­ge­fun­den. Die, die da­mals jung wa­ren und Subkultur ge­macht ha­ben, sind jetzt Eltern mit Kindern und es fehlt so ei­ne Zwischengeneration. Es gibt dann no­ch so ein paar Kollegang-​Leute, die am Späti sit­zen, aber die­se mas­si­ve Jugendkultur fin­det ge­ra­de nicht so statt. Das wird si­ch in fünf Jahren no­ch mal än­dern, wenn die Kinder wie­der im rich­ti­gen Alter sind, um al­les zu be­schmie­ren. (lacht)

Breaque: Im Endeffekt ist das, was den Bezirk für uns als Jugendliche aus­ge­macht hat, halt nicht mehr exis­tent. Wir wür­den ger­ne in ei­nem coo­len Club im Prenzlauer Berg re­gel­mä­ßig Partys ver­an­stal­ten. Kannst du halt nicht ma­chen, weil es den Club nicht mehr gibt. Das ist ein biss­chen scha­de. Leben kann man da schon no­ch gut. Eein paar Neue, die gu­te Sachen ma­chen, gibt es ja schon no­ch, wenn man zum Beispiel die gan­zen Leute um MC Bomber sieht. Die sind ja al­le zehn Jahre jün­ger als wir und hal­ten ein biss­chen die Fahne hoch.

MZEE​.com: Würdet ihr sa­gen, dass der Sound, den ihr pro­du­ziert, nach dem al­ten Prenzlauer Berg klingt?

Breaque: Mittlerweile wür­de ich das nicht mehr sa­gen. Die äl­te­ren Sachen von V.Raeter, ge­ra­de die Funkviertel-​Zeit, die Anfänge von Spoken View und Hiobs "Fragmente", auf dem V.Raeter ja auch pro­du­ziert hat, klin­gen für mi­ch schon nach Prenzlauer Berg. Doper, dre­cki­ger Sound halt. Der Sound, den wir jetzt auf­le­gen und pro­du­zie­ren, hat aber viel mehr Einflüsse als nur ei­nen Bezirk. Allein schon durch das Internet.

V.Raeter: Ich glau­be aber schon, dass wir im­mer no­ch ei­ne spe­zi­el­le Art des Auflegens und ei­nen sehr spe­zi­el­len Mix ha­ben. Ich weiß nicht, ob das was mit der Gegend zu tun hat, in der man auf­ge­wach­sen ist, aber viel­leicht ist das ja so.

Breaque: Zumindest mit den Einflüssen, die wir in un­se­rer Kindheit und Jugend so hat­ten. Wir ha­ben halt ir­gend­wel­che Amiga-​Kinderplatten ge­hört. Leute, die in München groß ge­wor­den sind, ha­ben viel­leicht eher mal Soul-​Platten ih­rer Eltern ge­diggt, was wir halt nicht hat­ten.

MZEE​.com: Könntet ihr eu­ch vor­stel­len, um­zu­zie­hen? Und wür­det ihr eu­ch dann um­be­nen­nen?

V.Raeter: Umziehen könn­te ich mir vor­stel­len. Aber ich den­ke nicht, dass wir uns dann um­be­nen­nen wür­den. Du kann­st uns zwar von der Ecke ho­len …

Breaque: … aber die Ecke nicht aus uns! Das ist schön, das könnt ihr zur Headline ma­chen.

V.Raeter: So nach 35 Jahren Prenzlauer Berg ist das schon okay, wenn man auch mal wo­an­ders wohnt.

MZEE​.com: Auf Facebook be­schreibt ihr eu­er Genre sel­ber als "HipHopFutureFunkCornerBeats mit Bass". Es ist ein biss­chen schwie­rig, eu­ch da­durch ein­zu­ord­nen … Seht ihr eu­ch bei­spiels­wei­se fest in der Deutschrap-​Szene?

V.Raeter: Unser Umfeld und Freundeskreis be­steht halt zu ei­nem gro­ßen Teil aus Rappern. Der Genrename be­steht vor al­lem aus den Sachen, die wir in un­se­rer Radiosendung spie­len – aus un­se­ren Einflüssen. Die Musikrichtungen flie­ßen in dem Namen zu­sam­men. Wir ha­ben kei­ne rich­ti­ge Schublade. Deswegen ha­ben wir auch so ein biss­chen ein Vermarktungsproblem, weil wir kei­nen kla­ren Stempel auf­ge­drückt ha­ben. Wir sind da ziem­li­ch weit ge­fä­chert. Die Art, wie wir auf­le­gen, hat auf je­den Fall nichts mit un­se­ren Freunden aus der Deutschrap-​Szene zu tun.

Breaque: Ich seh' uns jetzt nicht un­be­dingt in ei­nem Deutschrap-​Kontext. Aber wenn man uns da rein­pa­cken will, dann na­tür­li­ch bei den Leuten, mit de­nen wir auf der Bühne ste­hen. Audio88 & Yassin, das gan­ze Spoken View-​Umfeld, Leute wie Retrogott & Hulk Hodn, Mädness & Döll, Fatoni, die Sichtexoten und so wei­ter.

EckePrenz by Jessy Noware

MZEE​.com: Ihr seid eher im Untergrund ak­tiv. Könntet ihr eu­ch auch vor­stel­len, mit grö­ße­ren Künstlern und Mainstream-​Acts zu­sam­men­zu­ar­bei­ten?

Breaque: Das wird wahr­schein­li­ch nicht pas­sie­ren. Dafür ist un­ser Sound zu sper­rig. Ich bin ei­gent­li­ch kein Freund da­von, si­ch das so auf die Fahne zu schrei­ben, aber wir sind jetzt nicht die Produzenten oder DJs, die je­den Scheiß rum­schi­cken und da­na­ch lech­zen, mit Person XY zu ar­bei­ten.

V.Raeter: Wenn si­ch das ir­gend­wie er­gibt und wir uns gut ver­ste­hen, dann wür­den wir dem nicht im Weg ste­hen. Wir sind auch schon mal mit MC Fitti nach Hamburg ge­fah­ren.

Breaque: Der ist ein­fach ein coo­ler Atze.

V.Raeter: Ich hab' auch kürz­li­ch ei­nen Remix für Roger & Schu von Blumentopf ge­macht. Manche Sachen ent­ste­hen halt ir­gend­wie. Wir sind da jetzt auch nicht auf der "Mainstream ist voll scheiße"-Schiene.

Breaque: Es ba­siert al­les im­mer auf mensch­li­chem Kontakt. Es ist zu­min­dest no­ch nie vor­ge­kom­men, dass uns ir­gend­ein grö­ße­rer oder klei­ne­rer Act we­gen ei­ner Zusammenarbeit an­ge­schrie­ben hat, ob­wohl wir uns gar nicht kann­ten.

MZEE​.com: In eu­ren DJ-​Sets und eu­rer Radiosendung spielt ihr die ver­schie­dens­ten Musikgenres. Da geht's von Deutschrap-​Klassikern über elek­tro­ni­sche Tracks bis hin zu ame­ri­ka­ni­schem Untergrund. Wie ent­ste­hen eu­re Sets und wie ar­bei­tet ihr da­bei zu­sam­men?

V.Raeter: Unsere Sets sind auf je­den Fall nie vor­her ge­plant. Das pas­siert or­ga­ni­sch, im Moment. Unser Anspruch ist auch, uns sel­ber zu über­ra­schen. Wir dig­gen un­ab­hän­gig von­ein­an­der Musik und sa­gen dann nicht im­mer gleich: "Ey, gu­ck mal, was ich Geiles ge­fun­den ha­be!" Wir über­ra­schen uns dann li­ve da­mit und gu­cken, wo die Reise hin­führt. Ich hab' ein ganz dol­les Problem da­mit, wenn ich be­stimm­te Lieder zu oft hö­re. Das lang­weilt mi­ch ein­fach. Unser Anspruch ist es, den Leuten nicht die Musik zu zei­gen, die sie je­des Wochenende hö­ren kön­nen oder die im Radio läuft. Wir wol­len de­nen zei­gen, dass man auch mit Musik, die man nicht kennt, ein­fach Spaß ha­ben kann.

MZEE​.com: Was ist eu­ch beim Auflegen dann wich­ti­ger: "Die Crowd muss tan­zen" oder "Hauptsache, wir fin­den geil, was wir da ge­ra­de ma­chen"?

Breaque: Das ist im­mer so ei­ne Mischung. Ich wür­de wahr­schein­li­ch eher nicht ir­gend­ein trau­ri­ges Klassik-​Stück um drei Uhr nachts zu spie­len. Ich will ja, dass die Leute Spaß ha­ben und tan­zen. Aber das steht halt nicht über al­lem.

V.Raeter: Wenn man das schon 'ne Weile macht, dann hat man auch ir­gend­wann das Gefühl für die Crowd. Das ist wie ein Spiel. Man spielt was, was die Leute nicht ken­nen, und guckt, ob sie mit­ge­hen. Und dann wirft man im­mer wie­der ir­gend­was rein, um sie wie­der zu si­ch ran­zu­ho­len. Irgendwann hat man dann den Moment ge­knackt, ab dem man ma­chen kann, was man will. Und dann kann ir­gend­ein Genre-​Bruch oder Ähnliches ein rich­ti­ger Höhepunkt sein. Immer nur oh­ne Gefühl die­sel­ben Hits zu spie­len oder den gan­zen Abend so ein Trap-​Geballer oder nur 90s ist nicht un­ser Ding.

Breaque: Wir wol­len uns auch ein­fach nicht sel­ber lang­wei­len. Ich hör' ja auch nicht zu­hau­se den gan­zen Tag nur Boom bap. Wir ha­ben halt Phasen. Mal hört man mehr aus dem Genre und dann mehr aus ei­nem ganz an­de­ren. So ist das auch li­ve. Wir wol­len uns und das Publikum nicht lang­wei­len.

MZEE​.com: Kommt es dann li­ve auch vor, dass der ei­ne et­was auf­legt, was der an­de­re so gar nicht hö­ren will?

V.Raeter: Voll.

Breaque: Passiert re­la­tiv häu­fig.

V.Raeter: Die gro­ße Kunst ist es, den an­de­ren das nicht spü­ren zu las­sen. (lacht)

Breaque: Wenn man ei­nen Track auf­legt, der nach hin­ten raus das Tempo än­dert oder bei dem am Ende ir­gend­was Komisches pas­siert, was man ein­fach nicht weiß … Wenn man den nicht kennt – das macht's be­son­ders schwer – oder auch span­nend. Das Set ist eben nicht vor­ge­fer­tigt. Dadurch ha­ben wir auch mehr Spaß. Selbst wenn wir dann mal ei­nen Übergang ver­ka­cken. Dadurch mer­ken die Zuhörer auch, dass wir kei­ne ab­ge­klär­ten Dudes sind, die je­den Abend das Gleiche spie­len, son­dern dass wir ein­fach nur Spaß mit ih­nen ha­ben wol­len.

MZEE​.com: Das ist dann viel­leicht auch ein klei­ner Wettbewerb zwi­schen eu­ch.

V.Raeter: Manchmal auf je­den Fall. Das ist aber auch das Geile. Manchmal ist es schwer, auf ei­nen gei­len Track ei­ne eben­bür­ti­ge Antwort zu fin­den. Dafür ist es um­so gei­ler, wenn der an­de­re ei­ne eben­bür­ti­ge Antwort ge­fun­den hat. Dann freu­en wir uns ein­fach, dass das Ganze si­ch so hoch­ge­stei­gert hat.

MZEE​.com: Wer ist für eu­ch denn der kras­ses­te HipHop-​DJ in Deutschland?

Breaque: Ich tu' mi­ch voll schwer mit so­was. Da muss man no­ch mal dif­fe­ren­zie­ren. Es gibt ein­mal Leute, die mu­si­ka­li­sch ex­trem krass sind. Ich fühl mi­ch im­mer ex­trem gut un­ter­hal­ten, wenn Twit One auf­legt. Der hat ei­nen ganz ei­ge­nen Stil, von der Moderation bis zur Auswahl der Musik. Auf der an­de­ren Seite gibt's Leute wie DJ Stylewarz und Mirko Machine oder auch Sepalot, die tech­ni­sch zehn Mal kras­ser sind als wir und auch gei­le Mixes spie­len.

V.Raeter: Ich wür­de jetzt spon­tan ein­fach sa­gen: Mirko Machine. Für mi­ch ist auch im­mer der mensch­li­che Flavour wich­tig. Der ist so Onkel-​mäßig. Der hat die­sen al­ten New York-​Style, find' ich voll geil.

Breaque: Dann sa­gen wir jetzt: Mirko Machine ist der be­s­te DJ Deutschlands. Vielleicht gibt's aber auch no­ch an­de­re. Ich hab' den zum Beispiel no­ch nie auf­le­gen se­hen, aber ei­ner un­se­rer Lieblings-​DJs und Produzenten ist DJ Koze. Er schafft es zum Beispiel, den HipHop-​Begriff so weit zu fas­sen, wie wir den auch se­hen, und macht viel elek­tro­ni­schen Kram. Der packt to­tal das be­ein­dru­cken­de Musikgespür aus.

MZEE​.com: Neben dem Auflegen seid ihr ja auch viel als DJs mit Rappern un­ter­wegs, vor al­lem mit Damion Davis und Audio88 & Yassin. Gäb's auch an­de­re Rapper, die ihr mal ger­ne be­glei­ten wür­det?

Breaque: Für mi­ch nicht, weil das ein­fach ein Kumpelding ist. Ich hab' kei­nen Bock, mit ir­gend­wem auf der Bühne zu ste­hen, den ich nicht ken­ne. Aber in letz­ter Zeit hab' ich öf­ter mal mit Mädness und Döll auf der Bühne ge­stan­den, wenn ihr DJ kei­ne Zeit hat­te. Das hat voll Spaß ge­macht.

V.Raeter: Ich hab' auch kei­nen Traum-​MC. Ich bin no­ch ein biss­chen mit Fatoni un­ter­wegs. Ist al­les so aus jah­re­lan­gem Sich-​Kennenlernen ent­stan­den.

EckePrenz by Roy Busch Photography

MZEE​.com: Ihr plat­ziert nur re­la­tiv we­ni­ge Beats auf Platten. Wieso?

Breaque: Weil wir faul sind. (lacht)

V.Raeter: Nein, weil wir so bu­sy sind! Wir ar­bei­ten ja ins­ge­heim an ei­nem Album. Das ist auch schon re­la­tiv weit, aber der an­stren­gen­de Teil steht no­ch an. Tracks fer­tig ma­chen, ar­ran­gie­ren, mas­tern las­sen und so wei­ter. Die Platte soll­te ei­gent­li­ch schon längst fer­tig sein, die Anfrage kam vor zwei Jahren. In den letz­ten neun Monaten ha­ben wir da in­ten­si­ver dran ge­ar­bei­tet.

Breaque: Das klingt viel­leicht ab­ge­dro­schen: Aber das gan­ze Ecke Prenz-​Ding, die Radiosendung, das Booking, Merch und die gan­ze Organisation nimmt schon viel Zeit in Anspruch ne­ben ei­ner 40-​Stunden-​Stelle und dem Auflegen an fast je­dem Wochenende. Teilweise ha­ben wir ein­fach kei­ne Zeit, uns da in Ruhe ran­zu­set­zen. Eigentlich müss­ten wir uns mal ein hal­bes Jahr Urlaub neh­men oder so.

V.Raeter: Ich ma­che mir da jetzt auch kei­nen kras­sen Druck oder so. Das blo­ckiert mi­ch dann. Klar, wenn man 'ne Platte hat, hat man so ein Marketingtool, mit dem man auf Tour ge­hen kann und so wei­ter. Aber ich will lie­ber gu­te Musik ma­chen statt ir­gend­ei­ne Platte raus­zu­brin­gen, nur weil das halt sein muss.

MZEE​.com: Also kommt von eu­ch ein Instrumental-​Album?

V.Raeter: Genau. Wir ma­chen kein Deutschrap-​Feature-​Album oder so. Wenn ein Feature drauf­kommt, sind das an­de­re Sachen. Anthony Drawn von Sichtexot spielt zum Beispiel auf ei­nem Track Saxofon. Es wird ei­ne Instrumental-​Platte.

MZEE​.com: Seid ihr denn mit den Tracks no­ch zu­frie­den, wenn ihr schon vor zwei Jahren mit den Arbeiten an­ge­fan­gen habt? Oder wür­det ihr die Hälfte am liebs­ten wie­der über den Haufen wer­fen?

V.Raeter: Mir geht's so, dass ich die an­hö­re und mir den­ke: Eigentlich wa­ren die schon fer­tig, ich weiß gar nicht, war­um die da no­ch rum­lie­gen.

Breaque: Das ist lus­tig, ge­n­au das Gleiche hab ich mi­ch näm­li­ch heu­te ge­fragt, als ich mit dem Fahrrad zur Arbeit ge­fah­ren bin. Ich müss­te mir mal wie­der die gan­zen Dinger an­hö­ren, ob die mir über­haupt no­ch ge­fal­len … ma­chen wir gleich nach dem Interview.

V.Raeter: Wenn Sachen lan­ge rum­lie­gen und man die dann no­ch gut fin­det, hat das na­tür­li­ch auch ei­nen ge­wis­sen Qualitätsflavour. Wenn man jetzt Schnellschuss-​mäßig ir­gend­was raus­haut, ist das viel­leicht nicht im­mer so gut.

Breaque: Mir geht das ähn­li­ch. Diese Schnellschuss-​Mentalität – man­che Produzenten kön­nen das, die bau­en ein­fach pau­sen­los coo­le Dinger. Aber mi­ch lang­weilt das auch oft, wenn Musiker al­le paar Tage neue Sachen hoch­la­den. Brauch' ich nicht un­be­dingt. Wir wol­len uns auch kei­nen Druck ma­chen, weil wir da­mit jetzt eh nicht die gro­ße Kohle ver­die­nen. Die Platte ist halt fer­tig, wenn sie fer­tig ist – und dann ist die auch ge­nauso, wie wir das wol­len.

V.Raeter: Wir ar­bei­ten im­mer mal wie­der an ir­gend­ei­ner Skizze oder so. Es fehlt halt oft die Zeit, die Tracks so fer­tig zu ma­chen, dass die es wert sind, auf Platte ge­pres­st zu wer­den. Ich will nicht so ei­ne Materialschlacht ma­chen. Es gibt so vie­le Leute, die je­den Rotz auf Platte raus­brin­gen. Wenn ich was ma­che, dann soll es auch cool sein.

MZEE​.com: Anstatt stän­dig Tracks raus­zu­hau­en, macht ihr je­den Monat eu­re Radiosendung. Über 70 Folgen sind das mitt­ler­wei­le. Wenn man no­ch kei­ne ein­zi­ge da­von ge­hört ha­ben soll­te – wel­che Sendung war die be­s­te?

V.Raeter: Der Seen-​Test ist auf je­den Fall rich­tig gut. Die Episode "Die 60 letz­ten Songs" ist cool, da kann man mu­si­ka­li­sche Bandbreite er­war­ten, auch ein paar schlei­mi­ge Sachen. Die Wurstshake-​Folge ist auch geil. Und die Tattoo-​Episode! Folge 62.

Breaque: Da wur­de ich tä­to­wiert, das war nicht so geil. Na ja. Ich weiß jetzt nicht mehr, wel­chen Track ich bei Folge 13 ge­spielt hab'. Man soll­te si­ch ein­fach ei­ne Sendung aus­su­chen, bei der ei­nem das Cover ge­fällt, und dann hof­fen, dass es ei­ne gu­te ist.

MZEE​.com: Was zeich­net eu­er Format denn be­son­ders aus?

Breaque: Vom Inhalt und der Thematik her gibt es so ei­ne Sendung son­st halt nicht. Ich ken­ne auf je­den Fall kei­ne. Wir woll­ten auf kei­nen Fall ir­gend­was ma­chen, wo wir neue Releases be­spre­chen und ei­ne Werbeplattform für ir­gend­wel­che Künstler sind.

V.Raeter: Es ist kei­ne in­for­ma­ti­ve Sendung.

Breaque: Genau. Wir woll­ten ein­fach Musik spie­len und ei­gent­li­ch woll­ten wir das auch oh­ne Sprachanteil ma­chen. Aber die ers­ten 15 Sendungen oder so wur­den auf ei­nem Piratensender in Berlin aus­ge­strahlt und da hieß es, wir müss­ten ei­nen Sprachanteil ha­ben. Nur des­halb ha­ben wir über­haupt an­ge­fan­gen, ir­gend­was zu sa­gen. Eigentlich liegt uns das ja nicht so.

V.Raeter: Die ers­ten Folgen ha­ben auch no­ch ei­nen Stock im Arsch. Aber ir­gend­wann ha­ben wir dann so Radiocharaktere er­fun­den. Letztlich ist es gu­te Musik mit dum­mem Gerede. Wenn wir ein Thema ha­ben, dann hilft uns das. Sonst be­spre­chen wir ein­fach den Moment.

MZEE​.com: Zum Abschluss: Ihr seid be­ken­nen­de Fans von Bockwurst und Würsten ge­ne­rell. Wir hät­ten ger­ne eu­er bes­tes Wurst-​Rezept.

V.Raeter: Mein Traum ist, dass es mal ei­nen Burgerladen gibt, der das macht: Eine fri­sche Bratwurst aus dem Darm drü­cken, dar­aus kann man dann ei­ne Bulette ma­chen. Bei McDonald's gab's mal den Sausage TS oder so, da ist ei­ne gro­ße Wurstscheibe drauf. So ei­nen gei­len Öko-​Dings-​Burger mit Wurstbrät.

MZEE​.com: Wollt ihr nicht ein­fach ei­ne ei­ge­ne Wurstbude auf­ma­chen?

Breaque: Wir ar­bei­ten ge­ra­de wirk­li­ch an dem Rezept für un­se­re ei­ge­ne Wurst. Da ha­ben wir auch schon die ers­ten Kontakte ge­knüpft.

V.Raeter: Breaque hat mir schon mal ein Rezept-​Buch ge­schenkt. Wir ha­ben auch schon ei­nen Fleischwolf und so. Wir müs­sen jetzt nur no­ch bei den Darmproduzenten nach­fra­gen. Das ist auch eins der vie­len Projekte, die eben Zeit und Vorbereitung brau­chen. Dass man halt ein paar Meter Darm be­stellt und so.

MZEE​.com: Also kommt die "Ecke Prenz Bockwurst" zum Album in der Box.

V.Raeter: Genau. Die Wurst heißt üb­ri­gens Prenzl, ist ja klar. Der Prenzl. Keep it un­re­al.

(Pascal Ambros & Alexander Hollenhorst)
(Fotos von Hanna Heider, Jessy Noware und Roy Busch Photography)