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Eskei83

Formate, in de­nen Rapacts ihr Talent im Freestylen un­ter Beweis stel­len kön­nen, gibt es zahl­rei­che – je­des Land hat seine ei­ge­nen Wettbewerbe, bei de­nen MCs sich zum Schlagabtausch tref­fen. Doch eine Grenze ha­ben sie alle: die Sprachbarriere. In der DJ-​Szene sieht das ein we­nig an­ders aus – hier wird dar­auf ge­ach­tet, wer die fet­te­ren Beats prä­sen­tiert, die ein­falls­reichs­ten Übergänge schafft und auch wirk­lich Ahnung da­von hat, wie Scratchen funk­tio­niert. Eskei83 aus Dresden scheint sein Handwerk in die­sem Bereich zu be­herr­schen, denn auf dem "Red Bull Thre3style Battle" im letz­ten Jahr konnte er sich ge­gen jeg­li­che Konkurrenz auf in­ter­na­tio­na­ler Ebene durch­set­zen und darf sich seit­dem als "World Champion" be­zeich­nen. Doch was macht ei­gent­lich ei­nen gu­ten DJ aus? Worauf ach­tet die Jury beim Judgen ei­nes DJ-​Battles? Und wel­chen Stellenwert nimmt das DJing heut­zu­tage über­haupt noch in der HipHop-​Szene ein? Wir tra­fen uns mit Eskei83 zum Interview, um Antworten auf diese und wei­tere Fragen zu er­hal­ten.

MZEE​.com: Erst mal ei­nen sehr ver­spä­te­ten herz­li­chen Glückwunsch zum Sieg des "Thre3style Battles" im letz­ten Jahr. Man kann wahr­schein­lich da­von aus­ge­hen, dass das Ganze ei­nen Meilenstein in dei­ner Karriere dar­stellt, oder?

Eskei83: Ich bin auf je­den Fall sehr stolz, den Titel ge­won­nen zu ha­ben. Das Konzept re­prä­sen­tiert den Style, in dem ich auf­lege. Im Battle selbst geht es ja darum, min­des­tens drei ver­schie­dene Musikgenres mit­ein­an­der zu ver­knüp­fen – und das ist ge­nau das, was ich seit Jahren ma­che, um da­mit die Party zu ro­cken. Es macht mich echt stolz, von so vie­len in­ter­na­tio­na­len und hoch­ka­rä­ti­gen Judges als der be­ste DJ 2014 ge­kürt wor­den zu sein.

MZEE​.com: War die Teilnahme an ei­nem sol­chen Battle denn schon ein jah­re­lan­ger Traum von dir? Für viele Rapper ist es bei­spiels­weise ein gro­ßer Traum, auf dem Splash!-Festival zu spie­len … ist die­ses Battle für DJs et­was Ähnliches?

Eskei83: Das könnte man schon da­mit ver­glei­chen, aber das Battle gibt es lei­der noch nicht so lang. Als ich mir mei­nen ers­ten Plattenspieler ge­holt habe, war mein Ansporn ein ganz an­de­rer. Ich wollte ein­fach HipHop ma­chen. Ich wollte Beats bas­teln, Scratches auf­neh­men, auf­le­gen und ein Teil die­ser Bewegung sein. Das war mein ers­tes Ziel und die gan­zen Jahre über habe ich im­mer wei­ter daran ge­ar­bei­tet. Im HipHop gibt es ja die­sen Battlewillen und jede Sache, bei der ich mich be­wei­sen konnte, habe ich mit­ge­nom­men. Beim "Thre3style Battle" habe ich ge­se­hen, dass sich viele gute DJs mes­sen und ich wollte ein­fach mal schauen, wie ich auf in­ter­na­tio­na­ler Ebene da­stehe. Als ich in die Competition ge­kom­men bin, hatte ich ein gu­tes Gefühl und habe im ers­ten Jahr 2013 welt­weit als Dritter ab­ge­schlos­sen und war dann mega froh, dass ich mir 2014 den ers­ten Platz ho­len konnte.

MZEE​.com: Musstest du dich da­für be­wer­ben oder ka­men die Veranstalter auf dich zu?

Eskei83: Im ers­ten Jahr in Deutschland wur­den die DJs ein­ge­la­den. Allgemein hat das Battle vor fünf oder sechs Jahren als re­gio­na­ler DJ-​Ausscheid in Kanada ge­star­tet und das hat al­les so gut funk­tio­niert, dass sie es im­mer grö­ßer ge­macht ha­ben. Es war erst na­tio­nal, ging dann nach Nordamerika, dar­auf­hin wurde das Ganze dann in­ter­na­tio­nal und ir­gend­wann hat auch Deutschland ge­sagt, dass es beim Vorentscheid mit­ma­chen wolle. Da wurde ich auch zum ers­ten Mal ge­fragt, weil ich ei­nen re­la­tiv ho­hen Status hatte. Im Jahr da­nach mus­ste man sich be­wer­ben und auch in die­sem Jahr gab es nur Teilnehmer, die die Jurymitglieder aus­ge­wählt ha­ben.

MZEE​.com: Wenn man mal dar­über nach­denkt, ist es schon krass, sich den Titel "World Champion" auf die Fahne schrei­ben zu kön­nen …

Eskei83: Voll! Ich hab' das auch sel­ber noch nicht so rich­tig rea­li­siert. Ich dachte wäh­rend des Battles daran, wie sich die­ser Titel wohl an­füh­len würde, wenn man ihn sich holt. Aber bis heute fühle ich mich ir­gend­wie nicht an­ders als da­vor. Es ist ko­mi­sch, wenn Leute dich auf den Titel hin­wei­sen.

MZEE​.com: Hast du auch eine Trophäe be­kom­men?

Eskei83: Ja, eine rie­sige! Die ist üb­ri­gens, be­vor sie mir über­ge­ben wurde, drei Mal run­ter­ge­fal­len. Sie war also schon re­la­tiv ka­putt. (lacht)

MZEE​.com: Kannst du uns kurz auf­zei­gen, was sich seit­dem für dich kar­rie­re­tech­ni­sch ge­tan hat?

Eskei83: Die in­ter­na­tio­nale Aufmerksamkeit hat ex­trem zu­ge­nom­men. Ich war vor­her schon viel in Nordamerika und Europa un­ter­wegs. Aber das wurde noch­mal in ei­nen ganz an­de­ren Fokus ge­rückt.

MZEE​.com: Das be­deu­tet, das DJing ist jetzt voll und ganz dein Beruf?

Eskei83: Es ist schon sehr, sehr lange mein Beruf.

MZEE​.com: Wie lange muss­test du üben, be­vor du wirk­lich da­von le­ben konn­test?

Eskei83: Wie in je­dem Beruf gibt es eine Lernkurve. Man fängt an und übt ewig lang in sei­nem Zimmerchen zu Hause. Irgendwann be­wirbst du dich, da­mals noch mit ei­nem Mixtape, bei den Clubbetreibern und die la­den dich dann ein. Man fährt hin, macht ei­nen Gig um­sonst, spielt die ers­ten ein bis zwei Jahre für eine kleine Gage sechs bis sie­ben Stunden in den Clubs und ver­sucht, je­den Gast, der da ist, ir­gend­wie glück­lich zu ma­chen. Das ist ge­nau der Lernprozess, den du als DJ brauchst, um ir­gend­wann auch mal grö­ßere Crowds wie bei ei­nem Festival zu be­geis­tern. Du weißt halt, dass die Leute auf das und das so und so re­agie­ren. Wenn du den Weg so wei­ter­gehst, kommt ir­gend­wann au­to­ma­ti­sch der Punkt, an dem du dich ent­schei­den musst, ob du dei­nen nor­ma­len Beruf wei­ter­machst und hob­by­mä­ßig als DJ auf­legst – oder ob du Vollgas gibst. Genau, wie das die meis­ten Rapper tun. Nach mei­ner Ausbildung zum Mediengestalter habe ich ge­sagt, dass ich jetzt als DJ ar­bei­ten will. Ich hab' da­mals wäh­rend mei­ner Ausbildung mit dem Auflegen schon mehr ver­dient als im gan­zen Ausbildungsmonat. Da habe ich mir ge­sagt, dass ich das jetzt ein­fach ver­su­che. Und wenn nicht, kann ich ja im­mer noch in mei­nen Job zu­rück. Bisher gab es aber nie die Option, wie­der in ei­nen nor­ma­len Job zu ge­hen, weil ich nie die Zeit dazu hatte.

MZEE​.com: Du hast eben schon an­ge­spro­chen, dass du viel un­ter­wegs bist. Gibt es denn ein Land, in dem du am häu­figs­ten ge­bucht wirst oder in dem du sehr be­kannt bist?

Eskei83: Am be­kann­tes­ten bin ich na­tür­lich in Deutschland, weil ich hier ge­bo­ren wurde. Wenn man jetzt rein von Statistiken auf Facebook aus­geht, ist Deutschland ganz weit oben – und dann kom­men schon recht viele asia­ti­sche Länder. Taiwan und Thailand. Auch in Korea habe ich viele Fans. Ansonsten in Kanada und lus­ti­ger­weise in Basilien, ob­wohl ich noch nie da war.

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MZEE​.com: Und wo hast du dei­nen größ­ten Auftritt bis­her ge­spielt?

Eskei83: Mein größ­ter Auftritt war – so­weit ich mich er­in­nern kann – in London. Das ist im­mer schwer zu sa­gen, weil man nicht weiß, wie viele Leute vor der Bühne ste­hen, aber in London wa­ren es 25.000 bis 30.000.

MZEE​.com: Wir wis­sen ja alle, wie be­sorgt Eltern bei den Entscheidungen ih­rer Kinder sein kön­nen. Wie ha­ben deine Eltern denn re­agiert, als du ih­nen ge­sagt hast, dass du jetzt haupt­be­ruf­lich DJ bist?

Eskei83: Ich hab' mit dem Auflegen an­ge­fan­gen, als ich noch in der Schule war. Auf mei­nem ei­ge­nen Abiball habe ich auch auf­ge­legt, von da­her kann­ten die das schon. Während mei­ner Ausbildung habe ich mir da­mit im­mer was da­zu­ver­dient und meine Mutter hat diese Sache auch stets un­ter­stützt. Wenn ich ir­gendwo auf­lege, muss ich ja auch Rechnungen schrei­ben, die Buchhaltung muss ge­macht wer­den et ce­tera – und meine Mutter hat mir da­bei im­mer sehr ge­hol­fen. Das ist die Seite, die nie­mand bei den DJs sieht: dass wir Selbstständige sind. Meine Mutter war ein ganz gro­ßer Teil bei die­sen Dingen, weil sie mir den Rücken frei­ge­hal­ten hat. Ich konnte mich um die Musik küm­mern und sie hat diese Background-​Arbeit über­nom­men. Als ich den Schritt ge­wagt habe, war sie über­haupt nicht skep­ti­sch. Sie hat ge­sagt, ich solle das ma­chen und zu­rück in den Job könnte ich dann im­mer noch ge­hen. Ich habe Abi, den Ausbildungsberuf und noch ein biss­chen BWL stu­diert. Ich bin jetzt nicht der Typ, der keine an­de­ren Optionen hätte. Momentan läuft es aber so gut – ich glaube, selbst wenn ich mit dem Auflegen auf­hö­ren würde, könnte ich in der Industrie viele gute Jobangebote fin­den.

MZEE​.com: Macht deine Mutter das heute auch noch für dich oder hast du da in­zwi­schen ein klei­nes Team um dich herum auf­ge­baut?

Eskei83: Einige Sachen habe ich ab­ge­ge­ben, aber sie ist trotz­dem noch in­vol­viert in viele Geschichten. Mittlerweile habe ich ein Management und auch beim dies­jäh­ri­gen Splash! wa­ren wir bei­spiels­weise ins­ge­samt neun Leute. Immer, wenn ich von ei­ner Show rede, rede ich von "wir", weil viele Leute daran ar­bei­ten, aber ei­gent­lich nur ich auf der Bühne stehe. Die an­de­ren se­hen das nur nicht. Das ist manch­mal ein biss­chen ko­mi­sch. Aber da sind voll viele Leute in­vol­viert: Licht und Visuals, die ganze Pyrotechnik, wir ha­ben Tänzerinnen und eben das ganze Organisatorische … Das ist al­les nicht ganz ohne.

MZEE​.com: Wie wich­tig ist es dir, et­was wirk­lich Besonderes ab­zu­lie­fern und wie er­reichst du die­ses Ziel?

Eskei83: Für mich ist es to­tal wich­tig, im­mer et­was Besonderes ab­zu­lie­fern und da zählt je­der Gig für mich. Ich will das so per­fekt ma­chen, wie es nur geht – egal, ob ich vor hun­dert oder meh­re­ren tau­send Leuten spiele. Ich will, dass alle Leute eine gute Zeit ha­ben. Wenn ich ge­bucht werde und die Gäste das, was ich ma­che, über­haupt nicht ver­ste­hen, kann ich halt nichts dran än­dern. Ich ma­che ein­fach im­mer mein Ding und ver­su­che, das so gut wie mög­lich um­zu­set­zen. Wenn dann ein "World Final" statt­fin­det und ne­ben mir auf der Bühne meine Lieblings-​DJs in der Jury sit­zen – un­ter an­de­rem Jazzy Jeff, Z-​Trip und Shortkut –, die mich be­wer­ten sol­len … Dann will ich Eindruck hin­ter­las­sen. Da geb' ich mir na­tür­lich ge­nauso viel Mühe und ver­su­che, das per­fekte Set ab­zu­lie­fern. Das ist das, worum es bei mir geht: bei je­dem Gig das per­fekte Set zu spie­len.

MZEE​.com: Kann man kon­kret er­fas­sen, wie viel Arbeit hin­ter sol­chen Auftritten be­zie­hungs­weise Sets steckt und wie lange man sich dar­auf vor­be­rei­ten muss?

Eskei83: Zu ei­nem "World Final" geht na­tür­lich nie­mand un­vor­be­rei­tet hin. Da über­legt man sich was und das ruft man dann ein­fach ab. Ich be­reite mich das ganze Jahr über auf meine Gigs vor. Wenn ich bei ei­nem Festival bin, dann weiß ich, dass diese und jene Künstler dort sein wer­den und von de­nen spiele ich dann den ein oder an­de­ren Track in mei­nem Set. Aber ich spiele dann nicht nur den Song – ich ma­che da was Neues draus. Ich habe die Möglichkeit, Vocals von Haftbefehl zu neh­men und sie auf ei­nen ganz an­de­ren Beat zu set­zen. Das ist der Moment, in dem alle Leute den Track hö­ren und auf ein­mal der Beat switcht. Und alle den­ken sich nur: "Woah, krass! Was Neues, aber ei­gent­lich kenne ich es doch". Das ist ge­nau das, woran ich das ganze Jahr über ar­beite. Aber nicht nur für ei­nen Gig, son­dern per­ma­nent für jede Show.

MZEE​.com: Du bist vie­len Deutschrap-​Hörern durch und seit die­sem Sieg be­kannt, aber wir wür­den gerne noch­mal ei­nen Rückblick auf deine Karriere da­vor wer­fen. Stammst du ur­sprüng­lich aus der deut­schen HipHop-​Szene oder bist du an­der­wei­tig zum DJing ge­kom­men?

Eskei83: Ich bin durch deut­schen Rap zu HipHop über­haupt ge­kom­men. 1996 bis 1998 gab es ja die­sen Deutschrap-​Boom mit Massive Töne, Absolute Beginner und Samy, da­mals noch mit Dynamite Deluxe. Witzigerweise kennt ein Kumpel von mir, weil er so jung ist, MZEE​.com nicht und hat mich di­rekt ge­fragt, wie man das aus­spricht. Für mich war das da­mals eine rie­sige Plattform! Genau auf sol­chen Plattformen habe ich mich in den Foren rum­ge­trie­ben. Das war da­mals un­ser Social Media. Ich bin mit mei­nen 31 Jahren noch nicht stein­alt, aber da habe ich auch an­ge­fan­gen, mich mit die­sen gan­zen HipHop-​Themen aus­ein­an­der­zu­set­zen. Es gab diese gan­zen Sparten: Graffiti, Breakdance, Rap, DJing … und da­mals war mein Forumname auch schon Eskei83. Und auch nur mit 83, weil Eskei schon weg war. (lacht) Ich weiß nicht mehr, in wel­chem HipHop-​Forum das war, aber es ist sehr wahr­schein­lich, dass der Name Eskei bei MZEE​.com schon ver­ge­ben war … Zurück zum Thema: Bei Absolute Beginner war der Einfluss von DJ Mad ex­trem. Der hat auch im­mer viel ge­scratcht und man hat all­ge­mein fette Beats ge­macht. Ich habe dann wirk­lich an mei­nem Computer an­ge­fan­gen, Beats zu bauen, und wollte wie DJ Mad diese coo­len Scratches mit­auf­neh­men. Dann hab' ich mir ei­nen Plattenspieler ge­kauft. So bin ich dazu ge­kom­men. Als ich den hatte, habe ich Platten ge­kauft, ei­nen Mix auf­ge­nom­men und mei­nen Freunden ge­zeigt. Das hat sich dann ver­teilt und schon habe ich er­ste Auftritte als DJ be­kom­men.

MZEE​.com: Welchen Stellenwert nimmt das DJing dei­ner Meinung nach heut­zu­tage in der HipHop-​Kultur hier­zu­lande ein? Hat sich in den letz­ten zehn Jahren da­hin­ge­hend viel ver­än­dert?

Eskei83: Es hängt viel da­von ab, wie sehr der ein­zelne DJ Gas gibt. Wenn du ver­suchst, aus die­ser Masse her­aus­zu­ste­chen, kannst du viel rei­ßen. Um es mit mei­ner Person zu er­klä­ren: Ich in­ves­tiere sehr viel Arbeit und es macht mir Spaß. Demnach hat sich diese Position für mich in Deutschland auch er­ge­ben. Es gibt aber auch viele DJs, die in Richtung Podcast ar­bei­ten, zum Beispiel DJ Ron. Der hat halt dort seine Sparte ge­fun­den. Es gibt aber auch Band-​DJs. Es hängt viel von der Popularität ab, wo­für wel­cher DJ be­kannt ist und was er bei sei­ner Show tat­säch­lich ab­lie­fert. Da ist der Stellenwert in Deutschland mei­ner Meinung nach eher ge­ring, weil man im­mer in die­ses Black Music-​Lager ge­drängt wird – ge­rade in Clubs. Man kann dann, wie ich, ver­su­chen, her­aus­zu­ste­chen, oder man geht in die­ser Suppe leicht un­ter. Das finde ich halt sehr schade. Was mich vor al­lem stört, ist, dass die DJs im­mer in der zwei­ten Reihe hin­ter den Rappern ste­hen und es in Clubs un­ter Umständen nicht ge­wür­digt wird, was ein DJ macht. Das meinte ich auch mit "Suppe". Da steht ir­gend­ein DJ und der macht das viel­leicht mega gut, aber es in­ter­es­siert sich kei­ner so rich­tig da­für.

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MZEE​.com: Können diese Umstände viel­leicht auch da­her kom­men, dass Rapper XY sagt, er hat für den Abend nie­man­den, der sein DJ ist, und dann je­man­den darum bit­tet, mal eben "auf den Knopf zu drü­cken"? Dass mehr da­hin­ter steckt, wird oft nicht ge­se­hen …

Eskei83: Ja. Da ist zum Beispiel mein Buddy DJ Maxxx. Der kann die Liveshow von ei­nem Künstler wirk­lich ver­bes­sern. Das ist der DJ von Haftbefehl. Er bringt so viel Input und macht sich Gedanken über die Show von ei­nem Rapper, dass er sie noch mal auf­wer­ten kann. Viele Leute se­hen nicht, dass DJs wie er rich­tig Gas ge­ben und die Leute, die vor der Bühne ste­hen, durch ihn an­ge­heizt wer­den. DJs kön­nen echt viel rei­ßen, egal, ob im Club oder mit ei­nem Rapper. Wir kön­nen die Stimmung der Leute be­ein­flus­sen.

MZEE​.com: Und wel­chen DJ aus Deutschland muss man dei­ner Meinung nach un­be­dingt ein­mal live er­lebt ha­ben und warum?

Eskei83: Da gibt es viele, das wird jetzt eine ewig lange Liste. Maxxx ist ein Freund von mir, mit dem ich schon lange zu tun habe. Wer mir di­rekt am Anfang ein­fällt, ist auch mein Kumpel DJ Kitsune aus Frankfurt. Der macht ja nicht nur DJing, son­dern hat zum Beispiel auch eine Platinplatte für das Drake-​Album, weil er mit Crada pro­du­ziert hat. Die sollte man auf je­den Fall aus­ch­e­cken! Ich will jetzt aber nie­man­den ver­ges­sen, mir schie­ßen tau­send Namen durch den Kopf … Ron mit sei­nem Podcast ist auch schon mega lang da­bei und wenn er in der Stadt ist, sollte man ihn auf je­den Fall auch se­hen.

MZEE​.com: Wie sieht es denn auf in­ter­na­tio­na­ler Ebene aus? Die Thre3styles-​Reihe fin­det in den ver­schie­dens­ten Städten welt­weit statt, um am Ende ei­nen "World Champion" zu kü­ren. Kannst du uns ei­nen klei­nen Einblick in die in­ter­na­tio­nale DJ-​Battleszene ge­ben?

Eskei83: Es gibt im­mer re­gio­nale oder na­tio­nale Vorentscheide und da qua­li­fi­ziert sich je­der DJ in sei­nem Land für die "World Finals". Das "World Final" ist dann je­des Jahr in ei­ner an­de­ren Stadt und ge­prägt vom je­wei­li­gen Veranstaltungsort. Als es 2013 in Toronto war, war al­les to­tal HipHop- und Reggae-​mäßig. Die Stadt hat ei­nen gro­ßen Einfluss aus Trinidad, Tobago und Jamaika. Die sind wie New York to­tal HipHop-​lastig drauf und da kannst du mit so­was punk­ten. Als wir letz­tes Jahr in Aserbaidschan, also in Baku, wa­ren, wuss­ten die dort gar nicht, auf was sie sich ein­las­sen, weil es diese Clubszene da über­haupt nicht gibt. Dort ist ein Restaurant auch gleich ein Club. Das klingt jetzt ab­wer­tend, ist aber gar nicht so ge­meint. Die Tische wer­den weg­ge­rückt, aus dem Restaurant wird plötz­lich ein Club und da geht dann die Party ab – aber alle Leute chil­len wei­ter am Tisch. Da gibt es keine Tanzfläche, die Leute ste­hen mit ih­ren Getränken herum. Oder auch in Bangkok: Da steht die ganze Tanzfläche voll mit Tischen, aber alle ste­hen nur drum herum und fei­ern.

MZEE​.com: Da gibt es dann kei­nen Dancefloor? Das klingt stark nach ei­ner Vernissage …

Eskei83: Die tan­zen halt am Tisch. Die Musik ist ja auch voll laut. Ich war noch nicht in Japan – da ist das wohl noch kras­ser! Da gibt es ein Tanzverbot.

MZEE​.com: In je­der Location in Japan?!

Eskei83: Das kannst du mal goo­g­len. Da gibt es auf je­den Fall echt ein Tanzverbot. Das wird jetzt zwar ge­kippt, aber ich weiß nicht, wann … Nächstes Jahr ist ja eine große Veranstaltung in Japan und da­für wer­den die das kip­pen, weil viele in­ter­na­tio­nale Touristen kom­men. Aber jah­re­lang durfte man dort nicht tan­zen. Wenn die Polizei kommt, ist di­rekt die Mucke aus. Das ist to­tal un­ter­schied­lich … Okay, ich habe we­gen der Battle-​Frage jetzt gar nicht rich­tig ge­ant­wor­tet. (lacht)

MZEE​.com: Es ging darum, was das in­ter­na­tio­nale Mekka ist. Wo will man als DJ un­be­dingt mal auf­le­gen?

Eskei83: Die Frage ist un­heim­lich schwer zu be­ant­wor­ten, weil: Du weißt ja nie, in was für ei­nen Club du in ei­nem be­stimm­ten Land kommst. Als ich das er­ste Mal in New York auf­ge­legt habe, war das nicht an­ders als hier in ir­gend­ei­nem Kommerzclub. Ich würde sa­gen, dass England und Kanada die bes­ten Länder für DJs sind. Für mich per­sön­lich war ei­ner mei­ner bes­ten Gigs de­fi­ni­tiv der in London.

MZEE​.com: Du hast vor­hin ge­sagt, dass man sich für die an­ge­spro­che­nen Battles be­wer­ben kann oder ein­ge­la­den wird. Gibt es in­ner­halb die­ser Battleszene auch DJs, die man nur von sol­chen Events kennt? Die ih­ren Bekanntheitsgrad der Vielzahl an Teilnahmen bei sol­chen Veranstaltungen zu ver­dan­ken ha­ben?

Eskei83: Dadurch, dass sich die Battles von ih­rem Ansatz her alle un­ter­schei­den, ist das ein biss­chen schwie­ri­ger. Es gibt ein DMC-​Battle, bei dem es wirk­lich nur um das Scratchen geht. Da ist die Musik, die du spielst, völ­lig egal. Dann gibt es eine IDA, da scrat­chen alle über den­sel­ben Sound – was bei der DMC nicht so ist. Thre3style ist dann das Allround-​DJ-​Battle, bei dem du in 15 Minuten drei ver­schie­dene Musikgenres so krea­tiv wie mög­lich und mit viel tech­ni­scher Raffinesse ver­knüp­fen musst, um die Party zu ro­cken.

MZEE​.com: Bei ei­nem Rapbattle ist re­la­tiv klar, wel­che Punkte eine Jury mit in die Bewertung ein­flie­ßen lässt. Worauf ach­tet denn ein Gremium bei ei­nem DJ-​Battle be­son­ders stark?

Eskei83: Da sit­zen fünf Judges und be­wer­ten ge­nau, ob das je­mand schon mal vor­her ge­macht hat, wo der Track her­ge­holt wurde, was mit­ein­an­der ge­mixt wird et ce­tera. Das sind die welt­bes­ten DJs, die uns da be­wer­ten. Von de­nen lässt man sich gern was sa­gen oder freut sich, wenn sie be­geis­tert sind von dem, was man macht. Was da be­wer­tet wird, ist sehr de­tail­liert und des­halb manch­mal auch schwer zu ver­ste­hen, warum ein an­de­rer bes­ser be­wer­tet wurde als man selbst. Das ist, wie bei Rap eben auch, Geschmackssache: Der eine fin­det die Line voll gut und der an­dere fin­det sie viel zu krass un­ter der Gürtellinie. Unter Umständen kann das in die­sen Battles auch so sein.

MZEE​.com: Zu gu­ter Letzt: Was war dei­ner Meinung nach das be­ste DJ-​Battle, das du je ge­se­hen hast und das du un­be­dingt wei­ter­emp­feh­len möch­test?

Eskei83: (über­legt) Da muss ich zwei Antworten ge­ben. Wenn es um "RedBull Thre3style" geht, dann würde ich euch das Set von Four Color Zack von 2012 ans Herz le­gen. Der hat auf je­den Fall ei­nen Meilenstein ge­legt mit den Techniken, die er in die Competition ge­bracht hat. Overall-​DJ-​mäßig würde ich DJ Craze nen­nen. Ich weiß nicht, in wel­chem Jahr das ge­nau war – ich glaube, 1995. Der hat da mit ech­ten Vinylplatten au­ßer­ge­wöhn­lich krasse Sachen ge­macht. Den sollte man auch ab­che­cken.

(Florence Bader & Kristina Scheuner)
(Fotos: Kai Bernstein)