Soundcheck_Slider_CapKendricks02

Cap Kendricks

Kaum ei­ne Szene hier­zu­lan­de scheint so fa­cet­ten­reich zu sein wie die Deutschrapszene. Während es be­reits jetzt schon fast un­mög­li­ch er­scheint, je­den ein­zel­nen eta­blier­ten Vertreter zu ken­nen, steigt die Zahl neu­er, no­ch un­be­kann­ter Künstler ex­po­nen­ti­ell wei­ter an. Den Überblick zu be­hal­ten, gleicht ei­ner Herkulesaufgabe: Hat man si­ch ein Gesicht der HipHop-​Hydra ge­merkt, tau­chen schon wie­der min­des­tens zwei neue auf. Gleichzeitig ist es für un­be­kann­te, jun­ge Talente über­aus schwer, aus der über­wäl­ti­gen­den Masse an Musikern her­aus­zu­tre­ten und si­ch ei­nen Namen zu ma­chen.

Beiden Seiten soll un­ser Soundcheck ei­ne Hilfestellung bie­ten. Producern, die bis­her no­ch in den Tiefen des Untergrunds un­ter­ge­gan­gen sind, ei­ne Plattform ge­ben, auf der sie si­ch kurz, aber prä­gnant prä­sen­tie­ren kön­nen. Und Hörern und Fans er­mög­li­chen, si­ch ei­nen schnel­len Überblick über nen­nens­wer­te Künstler zu ver­schaf­fen, die sie bis­her viel­leicht no­ch gar nicht auf dem Schirm hat­ten.

 

Cap Kendricks Formular 2.0_05

MZEE​.com: Wenn du nur ei­nen dei­ner Beats aus­wäh­len dürf­test, um je­man­dem dei­ne Musik zu prä­sen­tie­ren, wel­cher Beat wä­re das und war­um ge­ra­de die­ser?

Cap Kendricks: Das wä­re wahr­schein­li­ch im­mer der Beat, den ich in der Nacht da­vor ge­macht ha­be. Ich bin sehr schnell wie­der un­zu­frie­den mit mei­nen Arbeiten. In dem Moment, in dem man et­was Neues er­schafft, fei­ert man es ein­fach am meis­ten. Zwei Wochen spä­ter ist es ja schon wie­der alt oder man hat si­ch wei­ter­ent­wi­ckelt und neue Skills an­ge­eig­net. Leider kann es auch mal ein paar Jahre dau­ern, bis ein Beat dann wirk­li­ch re­least wird. Deswegen hab' ich auch im­mer den Anspruch, et­was Zeitloses zu er­schaf­fen.

MZEE​.com: Suchst du dei­ne Samples lie­ber im Plattenladen oder im Internet?

Cap Kendricks: Das ist un­ter­schied­li­ch. Vinyl ist zwar im­mer no­ch an ers­ter Stelle und ich kau­fe Musik fast aus­schließ­li­ch auf Platte, aber mitt­ler­wei­le be­vor­zu­ge ich für die Suche nach Samples meis­tens das Internet. Das liegt zum ei­nen am fi­nan­zi­el­len Aspekt, zum an­de­ren aber auch an der rie­si­gen Auswahl, die ei­nem da ge­bo­ten wird. Man fin­det halt ein­fach al­les. Das Internet ist da Fluch und Segen zu­gleich. Du kommst an fast al­les ran, aber die Preise für be­stimm­te Platten sind halt auch dank eBay, Discogs et ce­tera ins Unermessliche ge­stie­gen. Im Großen und Ganzen fin­de ich das di­gi­ta­le Diggen auch nicht ver­werf­li­ch. Die Kreativität bleibt ja die glei­che und am Ende geht es auch nur dar­um, wie man das Sample ver­ar­bei­tet. Das Abenteuer bei der Suche geht halt ein biss­chen ver­lo­ren. Das kann ich ver­ste­hen. Aber er­zähl mir nichts von Realness. Nichtsdestotrotz: "Support your lo­cal re­cord dea­ler".

MZEE​.com: Du hast bis­her schon ei­ni­ge be­reits ver­öf­fent­li­che Tracks an­de­rer Künstler und Producer ge­re­mixt – wel­chen Remix aus der deut­schen Rapszene hät­test du selbst gern pro­du­ziert?

Cap Kendricks: Es ist schwie­rig, ei­nen Song aus­zu­wäh­len. Was deut­sche Rap-​Sachen an­geht, bin ich im­mer Fan, wenn Dexter ei­nen Song re­mixt. Der ist in die­sem Remix-​Game ein­fach der Boss. Spontan wür­de ich jetzt sa­gen, der Dexter-​Remix zu "Letzte Nacht" von Hiob und Yassin. Gerade auch, weil Hiob ei­ner mei­ner ab­so­lu­ten Lieblingsrapper in Deutschland ist. Ansonsten hör' ich ei­gent­li­ch stän­dig Beats, bei de­nen ich mir den­ke: "Krass, was für ein Brett!" Ich lie­be ein­fach Beats.

MZEE​.com: Es ge­schieht recht sel­ten, aber ab und an rappst du selbst auch mal ei­nen ei­ge­nen Part ein. Hast du dich son­st no­ch in an­de­ren "HipHop-​Disziplinen" ver­sucht?

Cap Kendricks: Auf je­den Fall. Angefangen hat ei­gent­li­ch al­les mit Breakdance und Graffiti. Das war mein ers­ter Kontakt zu HipHop. Da war ich rich­tig jung, so zehn oder elf Jahre alt. Das hat mi­ch ein­fach to­tal ge­packt. Wir ha­ben zu der Zeit dann die ers­ten Crews ge­grün­det, ha­ben ge­bre­akt, rum­ge­taggt und uns rich­tig HipHop ge­fühlt. Aber wir wa­ren na­tür­li­ch voll die Toys. (lacht) Irgendwann spä­ter ha­ben wir dann fast al­le an­ge­fan­gen zu rap­pen und ei­ge­ne Tapes auf­zu­neh­men. Aus der Zeit kommt auf je­den Fall no­ch mei­ne Leidenschaft für Rap. Irgendwann kam der Zeitpunkt, an dem wir auch ei­ge­ne Beats ha­ben woll­ten. Also ha­ben wir un­se­re ers­ten Instrumentals mit eJay, Fruity Loops und Co. ge­baut. Zum Glück kennt das heu­te kei­ner und das wird hof­fent­li­ch auch so blei­ben. Ich hab' mi­ch dann im­mer mehr mit dem Beatbauen be­schäf­tigt und bin da ein­fach dran­ge­blie­ben. Mit dem Rap-​Ding ha­be ich ab die­sem Zeitpunkt dann auch ein biss­chen ab­ge­schlos­sen. Ich bin da ein­fach et­was raus, was das Schreiben von Texten an­geht. Dafür feh­len mir auch die Routine und die Zeit. Deshalb kommt das nur no­ch ab und an vor. Spaß hab' ich aber im­mer no­ch dran. Vielleicht ma­che ich ja auch ir­gend­wann mal wie­der mehr.

MZEE​.com: Zum Abschluss wä­re es schön, wenn du fol­gen­den Satz für uns ver­voll­stän­di­gen könn­test: "DJ auf Live-​Auftritten zu sein ist …"

Cap Kendricks: … für mi­ch et­was un­ge­wohnt, weil ich ja kein klas­si­scher DJ bin. Das ist wahr­schein­li­ch das ein­zi­ge, was ich in mei­ner HipHop-​Laufbahn aus­ge­las­sen ha­be. Ich se­he mi­ch auf der Bühne eher als Produzent und Backup-​Rapper. Wir neh­men halt die Songs aus dem Studio mit auf die Stage. Mit Turntableism hat das nichts zu tun. Ich hab' ja no­ch nicht mal Plattenspieler auf der Bühne! (lacht) Alles, was ich be­nut­ze, ist Ableton Live, mit dem ich auch pro­du­zie­re, und der APC MK II Controller von Akai. Aber ich ha­be da auf je­den Fall Bock, mi­ch no­ch mehr da­mit zu be­schäf­ti­gen, Beatsets zu spie­len und mit mei­nem Homie LUX die Bühnen die­ser Welt un­si­cher zu ma­chen.

(Florence Bader & Daniel Fersch)
(Grafiken von Daily Puffy Punchlines, Logo von KL52)

 

Du bist der Meinung, du oder je­mand, den du kenn­st, soll­te si­ch un­se­rem Soundcheck un­ter­zie­hen? Wir freu­en uns über Bewerbungen oder Empfehlungen mit dem Betreff "Soundcheck – *Künstlername*" an daniel@mzee.com.