Olexesh – Strassencocktail

Geschich­ten aus Kra­nich­stein, düs­te­re Ecken –
Jun­kies, Babas, Jungs, die sich fet­zen.

Ole­xesh hat Hun­ger. Gera­de mal ein hal­bes Jahr ist seit sei­nem letz­ten Album "Masta" ver­gan­gen und schon schiebt der Rap­per sein nächs­tes Pro­jekt hin­ter­her. "Stras­sen­cock­tail" ent­hält nicht nur ein Mix­tape mit 18 Tracks, son­dern zusätz­lich noch zwei EPs mit jeweils neun Songs. An Pro­duk­ti­vi­tät man­gelt es dem 385i-​Schützling also kei­nes­wegs. Doch bleibt bei einer sol­chen Mas­se an Mate­ri­al nicht die Qua­li­tät auf der Stre­cke? Erschöpft sich Ole­xeshs Kon­zept nach 36 Lie­dern nicht irgend­wann?

Ange­sichts der limi­tier­ten The­men­pa­let­te, die der "Authen­tic Ath­letic" prä­sen­tiert, kann ein sol­cher Ein­druck schnell ent­ste­hen: Ole­xeshs Rap dreht sich stets um Geschich­ten aus der Darm­städ­ter Hood und allem, was dazu­ge­hört. Klein­kri­mi­na­li­tät steht an der Tages­ord­nung und beim Abhän­gen in Kra­nich­stein wer­den natür­lich dicke Joints geraucht. Den­noch gelingt es Ole­xesh, die­se ver­trau­te The­men­aus­wahl immer wie­der neu in sei­nem Rap zu ver­pa­cken. Mal schafft er das durch die krea­ti­ve Sprach­sym­bio­se von Deutsch und Stra­ßen­s­lang, gar­niert mit fran­zö­si­schen, rus­si­schen oder spa­ni­schen Begrif­fen oder auch durch die ein­zig­ar­ti­ge Vor­trags­wei­se, bei der nie Lan­ge­wei­le auf­kommt. Wahn­wit­zi­ge Flows und dyna­mi­sche Tem­po­wech­sel sor­gen für Facet­ten­reich­tum, wäh­rend die kraft­vol­le Stim­me des Prot­ago­nis­ten den Takt domi­niert und eine mit­rei­ßen­de Ener­gie ver­sprüht. Die­se Power wird auch von der instru­men­ta­len Unter­ma­lung des "Stras­sen­cock­tails" geför­dert. Da bil­den der­be Bäs­se, fet­zen­de Syn­thies und har­te Drums das Gerüst, über das Ole­xesh hin­weg­fegt. Wenn der Rap­per dann, wie auf "Jua­nas", etwas nach­denk­li­che­re Töne anschlägt, hüllt war­mer Sam­ple­sound sei­ne Stim­me ein. Wie die Rap­pas­sa­gen sind auch die Instru­men­tals stets abwechs­lungs­reich und pas­send. So lie­fert der 385i-​Member moder­nen Stra­ßen­sound, ohne jedoch sei­ne Oldschool-​Vorliebe zu ver­nach­läs­si­gen. Beson­ders ein­drucks­voll kann man das auf der Bonus-​EP "Funk­ade­lic" hören. Hier zieht sich der Westcoast-​Sound aus brei­ten Bass­li­nes und leicht­fü­ßi­gen Funk-​Samples durch jeden Track. Ob der "Masta" nun den Sound­track für den "Crip­walk" vor­gibt oder mit "Haze & Rap" die "Cali­for­nia Love" nach Kra­nich­stein holt – Ole­xesh fängt den Ami-​Flavour per­fekt ein. Auch die zwei­te Bonus-​EP auf "Stras­sen­cock­tail" hat einen ganz eige­nen Auf­hän­ger. Rappt sich Ole­xesh noch kom­plett im Allein­gang durch die bei­den ande­ren Plat­ten, fin­den sich auf "Sis Kat" zahl­rei­che Gast­bei­trä­ge. Hier stellt der Rap­per sei­ne Darm­städ­ter Kol­le­gen Ajé und Rama­zan vor, die auf den Tracks gefea­turet wer­den. Die Nach­wuchs­rap­per wir­ken im Ver­gleich zu ihrem För­de­rer wesent­lich unrou­ti­nier­ter und schei­nen ihren eige­nen Style noch nicht so recht gefun­den zu haben. Den­noch stößt man auch hier auf eini­ge High­lights, wie zum Bei­spiel die rasant geflow­ten Parts auf "Misch es in mein Glas" und die melo­di­sche Gesangs­hook von Manu­ell­sen auf "Blick­win­kel".

So ist "Stras­sen­cock­tail" genau das, was der Titel vor­gibt: ein Mix­ge­tränk vol­ler Stra­ßen­rap, der eben­so facet­ten­reich wie rund klingt. Ole­xesh stei­gert sich rap­t­ech­nisch und lyrisch wei­ter und prä­sen­tiert ein bun­tes Gesamt­pa­ket, bei dem trotz der Län­ge nie Lan­ge­wei­le auf­kommt. So viel kriegt man als Stra­ßen­rap­fan wohl sonst nir­gends für sein Geld.

(Flo­ri­an Peking)

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(Ama­zon mp3)

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