Massiv – Ein Mann ein Wort 2

Und wenn die aso­zia­len Medi­en mich ver­bie­ten wol­len …
Schal­te ich mein Herz auf manu­ell und schrei­be deepe Songs.

Mit kaum einem Namen in der hie­si­gen Rapland­schaft ver­bin­det man so vie­le Attri­bu­te wie mit dem des Wahl­ber­li­ners Mas­siv. "Das ist doch der aus Pir­ma­sens? Die­ser Mus­kel­protz, der heut­zu­ta­ge Wed­ding reprä­sen­tiert? Und wur­de der nicht mal ange­schos­sen?" – Ja, stimmt alles. Und trotz­dem den­ke ich bei dem Namen Mas­siv rela­tiv schnell an eines sei­ner frü­he­ren Wer­ke: "Ein Mann ein Wort". Ein Album, das im Nach­hin­ein betrach­tet gewiss nicht das bes­te aller Zei­ten und viel­leicht auch nicht das bes­te Album Mas­sivs war, mich aber trotz­dem durch die raue und ehr­li­che Art in der dama­li­gen Zeit beein­druckt hat. Doch frü­her ist frü­her – jetzt ist jetzt. Und plötz­lich erscheint der Nach­fol­ger "Ein Mann ein Wort 2". Hin- und her­ge­ris­sen zwi­schen hohen Erwar­tun­gen und der gro­ßen Angst vor Ent­täu­schung star­te ich das Album.

Zwei Din­ge fal­len sofort auf. Zum einen, dass Abaz zurecht und zwei­fels­oh­ne zu den Top-​Produzenten Deutsch­lands gehört. Was der aus Han­no­ver stam­men­de Pro­du­cer hier dar­bie­tet und wie er die all­ge­mei­ne Stim­mung der Plat­te ein­fängt, ist schlicht und ergrei­fend beein­dru­ckend. Zum ande­ren, dass Mas­siv sich auf dem Album deut­lich zurück­hält mit dem, wofür man ihn haupt­säch­lich kennt. Denn "Ein Mann ein Wort 2" kommt gänz­lich ohne Belei­di­gun­gen oder abso­lut über­trie­be­ne Gewalt­fan­ta­si­en aus. Para­dox, wenn man bedenkt, dass gera­de die­se text­li­chen Eigen­schaf­ten doch Mas­siv – vor allem in der jün­ge­ren Ver­gan­gen­heit, man erin­ne­re sich an "BGB 3" – aus­ge­macht haben. Aber nun gut. Irgend­wann kommt wohl für jeden der Schritt von "Wenn der Mond in mein Ghet­to kracht" zu "Solan­ge der Mond über mei­nem Kopf kreist". Prin­zi­pi­ell wäre die­ser Wan­del auch in keins­ter Wei­se schlimm, son­dern viel eher lobens­wert, gäbe es nicht ein Pro­blem damit, wie Mas­siv die neu­en Inhal­te prä­sen­tiert. Stän­dig wird einem der Zei­ge­fin­ger vor­ge­hal­ten und man bekommt Phra­sen und Flos­keln um die Ohren geschmet­tert. Scha­de eigent­lich, da durch­aus inter­es­san­te und lobens­wer­te Gedan­ken­gän­ge gespon­nen wer­den, die­se aber schlicht und ergrei­fend zu oft durch die Men­ta­li­tät, die feh­len­de Kon­se­quenz oder durch Product-​Placement ihre Authen­ti­zi­tät ver­lie­ren ("Guck, wie ich dank mei­ner M-​Power drück', gemischt mit Zec+ ist gleich eine Pri­se Glück", Mas­siv auf "Dei­ne Ehre ist unbe­zahl­bar").

Das Klang­bild von "Ein Mann ein Wort 2" lässt zuge­ge­be­ner­ma­ßen wenig Spiel­raum für Kri­tik. Die all­ge­mei­ne Stim­mung des Albums wird all­ge­gen­wär­tig ver­mit­telt und oft genug erge­ben sich Momen­te, an denen man sich als Hörer von den Instru­men­ta­len mit­ge­ris­sen fühlt. Außer­dem fin­den sich häu­fig auch recht krea­ti­ve und schö­ne Ide­en hin­ter ein­zel­nen Lie­dern oder Text­pas­sa­gen, die defi­ni­tiv zum Nach­den­ken bewe­gen kön­nen. Was aller­dings stört – und damit den größ­ten Makel des Werks aus­macht –, ist die Art und Wei­se, wie eben­die­se Inhal­te ver­packt sind. Stän­dig spürt man den vor­ge­hal­te­nen Zei­ge­fin­ger und fühlt sich so, als ob man mit jeman­dem redet, der vor Kur­zem einen Lebens­wan­del voll­zog und jetzt plötz­lich denkt, dass er die Weis­heit mit dem Löf­fel gefres­sen hat. Und das nervt auf Alb­um­län­ge.
(Lukas Mai­er)

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(Ama­zon mp3)

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