Lance

Lance Butters – BLAOW

Und letz­ten Endes gibt es Grenzen.
Die Frage ist jetzt: Willst du die­se spren­gen?

Nichts Neues in der Welt von Lance Butters. Die Iron Man-​Maske sitzt, die Silben wer­den lang ge­zo­gen wie Kaugummi und die Haltung ist igno­rant wie eh und je. Und auch die in­stru­men­ta­le Untermalung ist dank Produzenten-​Kumpel Bennett On wie­der ge­setzt: Die ar­ro­gan­te Attitüde von Lance wird von bra­chia­len Drums und wa­bern­den Bässen un­ter­malt.

So weit, so ge­wohnt. Doch was macht die­se Platte, die ja im­mer­hin Lance Butters' ers­ter Longplayer ist, aus? Mit sei­nem igno­ran­ten Auftreten leg­te er seit dem VBT im­mer wie­der ei­ne er­fri­schen­de Herangehensweise in Sachen Rap an den Tag. Und oh­ne Zweifel hat er da­durch ei­ne Vielzahl an auf­stre­ben­den Newcomern be­ein­flusst. Doch kann der ar­ro­gan­te Prollrap auch auf Albumlänge über­zeu­gen? Die Antwort lau­tet "Jein". Tatsächlich zei­gen si­ch nach der x-​ten über­trie­ben be­ton­ten "Ich bin geil, ihr seid scheiße"-Punchline all­mäh­li­ch Ermüdungserscheinungen. Doch da­für fügt Lance sei­nem Rap ganz heim­li­ch ei­ne wei­te­re in­ter­es­san­te Facette hin­zu: Selbstzweifel und Melancholie schim­mern im­mer wie­der durch die Texte des son­st so har­ten Eisenmanns. Die Verletzlichkeit des Lance Butters' wird da­bei nicht in aus­schwei­fend de­epen Kitsch-​Tracks um­schrie­ben – und das ist auch gut so. Stattdessen wer­den Einsamkeit und Probleme meist nur an­ge­deu­tet, bis sie si­ch im wohl stärks­ten Song der Platte "Es zieht/​Ich zieh" völ­lig ent­fal­ten.

So lie­fert der Rapper mit "BLAOW" nicht nur Futter für die Fans von ar­ro­gan­tem Punchlinerap. Er denkt die Figur Lance Butters auch kon­se­quent wei­ter, macht sie greif- und an­greif­ba­rer und so­mit we­sent­li­ch in­ter­es­san­ter. Dadurch zeigt er deut­li­ch: Lance kann sehr viel mehr als ar­ro­gant sein und Zeilen lang­zie­hen.

(Florian Peking)

Reinhören/​Downloaden:


(Amazon mp3)

iTu­nes: Lance Butters – BLAOW

Auf Tonträger kau­fen: