April 2015: Headtrick und Weekend

"Okay – was habe ich ver­passt?" Eine Fra­ge, der wohl jeder von uns schon ein­mal begeg­net ist. Egal, ob man sie selbst gestellt hat oder mit ihr kon­fron­tiert wur­de. Manch­mal kommt ein­fach der Zeit­punkt, an dem man sich vor allem eines wünscht: "Bringt mich doch mal auf den neu­es­ten Stand!" Doch wie ant­wor­tet man dar­auf? Was hält man für beson­ders erwäh­nens­wert? Es ist schwer, eine kur­ze, aber voll­stän­di­ge Ant­wort dar­auf zu fin­den. Wie misst man über­haupt Rele­vanz? An media­lem Hype? Am Über­ra­schungs­fak­tor? Oder doch an dem musi­ka­li­schen Anspruch? In "Hört, hört!" geht es um das alles, redu­ziert auf zwei Ver­öf­fent­li­chun­gen. Ein Release, das vor allem im Unter­grund auf Zuspruch gesto­ßen ist, und eines, das in der brei­ten Öffent­lich­keit wahr­ge­nom­men wur­de. Zwei Wer­ke, die wir nicht unbe­dingt gut fin­den müs­sen, aber eine gewis­se Rele­vanz oder eine Bedeu­tung jeg­li­cher Art für die hie­si­ge Rapland­schaft besit­zen. Zwei Wer­ke, die am Ende des Monats vor allem eines aus­sa­gen: "Hört, hört! Genau das habt ihr ver­passt!"

 

HeadtrickLeichtigkeitIsSeins

Head­trick – Leich­tig­keit is seins

Vor knapp andert­halb Jah­ren hat Laas Unltd. bei RAM bewie­sen, dass er noch immer ein ernst­zu­neh­men­der Batt­lerap­per ist. Ein über­zeu­gen­der Punkt hier­bei waren die knapp vier Mil­lio­nen (ich hab's nach­ge­zählt) Rei­me auf das Wort "Hat­trick", die er sei­nem Geg­ner ent­ge­gen­spuck­te. Wo ihm der Hat­trick in jüngs­ter Ver­gan­gen­heit also zugu­te­kam, war der Head­trick eini­ge Jah­re zuvor noch sein Geg­ner. Denn wäh­rend des Beefs von Laas und Kol­le­gah stamm­te Kol­les Diss­track nicht nur aus der Feder von Head­dy Mur­phy, die­ser rapp­te die Parts sogar mit ver­stell­ter Stim­me selbst ein.

Gene­rell schien es lan­ge Zeit so, als stün­de Head­trick lie­ber etwas im Hin­ter­grund und war eher auf Feature-​Parts von gro­ßen Namen wie JAW, Hol­ly­wood Hank, den Anti­hel­den oder auf Kollabo-​EPs ver­tre­ten statt auf eige­nen Wer­ken. Er war eben nie der ver­bis­se­ne, kar­rie­re­fo­kus­sier­te Rap­per. Ganz im Gegen­teil: die "Leich­tig­keit is seins". Den­noch gibt es Head­trick nun end­lich auf Alb­um­län­ge und das War­ten hat sich defi­ni­tiv gelohnt. Beat­tech­nisch vor allem auf jaz­zi­gen, sam­ple­schwan­ge­ren Beats mit ein­ge­streu­tem Boom bap zuhau­se, wur­de von Leu­ten wie Robot Orches­tra und Ben­son ein pas­send tiefen­ent­spann­ter Oldschool-​Klangteppich gewebt. Head­dy bewegt sich dar­auf mal läs­sig ent­spannt, mal hek­tisch zwi­schen ver­schie­de­nen Tem­pi und Flowva­ria­tio­nen sprin­gend, aber im ganz posi­ti­ven Sin­ne abso­lut eigen.

Wer bis­her noch zu wenig von Head­trick gehört hat, um sich eine Mei­nung über den Wahl-​Bochumer bil­den zu kön­nen, hat nun auf 21 Anspiel­sta­tio­nen die Gele­gen­heit dazu. So wie manch ein Batt­lerap­per eben ein paar Jähr­chen braucht, um zur alten Form zurück­zu­keh­ren, dau­er­te es bei Head­trick ein paar Jähr­chen, um über­haupt eine eige­ne Form zu fin­den. Mit "Leich­tig­keit is seins" hat er dies mehr als über­zeu­gend geschafft.

(Dani­el Fersch)

 

weekend

Wee­kend – Für immer Wochen­en­de

Ich ver­fol­ge Wee­kends Wer­de­gang schon recht lan­ge. 2008 emp­fiehlt in irgend­ei­nem Inter­net­fo­rum ein User das "Gemein­sa­me Sache"-Tape von Wee­kend und Beat­zebs. Ich bin ange­tan: Das klingt nicht nur extrem fresh und eigen­wil­lig gerappt, auch die The­men sind krea­tiv und ein­zig­ar­tig. Ein Merk­mal, wel­ches Wee­kend bis heu­te nicht ver­lo­ren hat. Selbst­iro­nie und Humor sind das Ste­cken­pferd des ehe­ma­li­gen Sozi­al­ar­bei­ters – eine idea­le Mischung, die dem Rap­per immer wie­der zum Erfolg ver­hilft.

Es ist genau die­ser leicht­fü­ßi­ge Ansatz, der Wee­kend auch zu sei­nen Tri­um­phen beim Videobattle-​Turnier 2011 und der VBT Splash!-Edition 2012 führt. Die stock­stei­fen Geg­ner kom­men gegen sei­nen Schutz­schild aus Iro­nie nicht an. Wee­kend nimmt weder sich noch sein Gegen­über ernst und rappt sich so in die Her­zen der Fans. Sein Auf­stieg bedeu­tet gleich­zei­tig den Sie­ges­zug der Videobatt­les – und vor allem vie­ler ihrer Teil­neh­mer. Für kur­ze Zeit scheint es so, als wür­den die hie­si­gen Labels jeden Rap­per weg­si­gnen, der sich mit sei­nen Batt­les eine Zuschau­er­schaft erschlie­ßen konn­te. Davon pro­fi­tiert auch Wee­kend und kommt in der Königs­klas­se der Indie-​Labels unter: Chim­pe­ra­tor nimmt den auf­stre­ben­den Künst­ler unter Ver­trag. Schon das ers­te Album, das Wee­kend über das Stutt­gar­ter Label ver­öf­fent­licht, schafft es in die Top 3 der deut­schen Charts. Plat­te Num­mer zwei über­trifft die­sen Tri­umph noch und kata­pul­tiert den Gel­sen­kir­che­ner auf die Pole Posi­ti­on.

Trotz der Erfol­ge bleibt sich Wee­kend über die Jah­re treu und prä­sen­tiert noch heu­te die inter­es­san­te Mischung, die mich schon vor sie­ben Jah­ren zu fas­zi­nie­ren wuss­te. Der Rap­per beob­ach­tet scharf­sin­nig den All­tag, ohne ihn all­zu ernst zu neh­men. Mit der Leich­tig­keit im Her­zen und stets einem Augen­zwin­kern hin­ter der Ray Ban-​Brille führt Wee­kend auf "Für immer Wochen­en­de" sein Sche­ma kon­se­quent fort. Humor und Iro­nie sor­gen für einen hohen Entertainment-​Faktor, ohne jedoch die Direkt­heit aus Wee­kends Tracks zu neh­men. Sei­ne The­men sind lus­tig und den­noch greif­bar und erschlie­ßen sich so eine gro­ße Hörer­schaft. So schaff­te es Wee­kend vom Inter­netrap­per an die Spit­ze der Charts.

(Flo­ri­an Peking)