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BOZ – Made in Germany

Früher dachte ich, das geht mich ei­nen Scheiß an.
Doch das ist auch mein Land, ir­gend­wie – kein Plan …

BOZ ist so et­was wie ein Untergrund-​Urgestein. Der Hamburger be­strei­tete le­gen­däre Battles in der RBA und seine "Farben EP" höre ich mir heute noch gerne an. Sein Rap ist pure Energie, seine kraft­volle Stimme und der nach vorne pre­schende Flow eig­nen sich so­wohl für ag­gres­sive Battletracks wie auch für emo­tio­nale Songs. Die Voraussetzungen für ein tol­les Album sind also ge­ge­ben, doch "Made in Germany" schafft es lei­der nicht wirk­lich, ei­nen über län­gere Zeit zu pa­cken.

Der Grund hier­für liegt vor al­lem in den Themen, die der Rapper be­han­delt. Dem Albumtitel ent­spre­chend ist der Kerngegenstand der Platte das Leben in Deutschland. Da geht es dann um die Schwierigkeiten mit dem Staat, Migrationshintergrund und Armut. Doch auch wenn BOZ ein durch­aus be­gna­de­ter Lyriker ist, kann er mit sei­nem Standpunkt nicht wirk­lich über­zeu­gende Erkenntnisse ver­mit­teln. Was er zur Materie bei­trägt, ist nicht neu und fin­det in sei­nem Rap kei­nen ef­fek­ti­ven Nährboden. Wenn BOZ nicht ge­rade Politisches ab­han­delt, lie­fert er de­epe Schnulzen, die eben­falls we­nig Originelles mit sich brin­gen. Die Refrains von Ex-​DSDS-​Kandidat Mehrzad Marashi set­zen dem Ganzen die Kitsch-​Krone auf und pas­sen über­haupt nicht zur rauen und druck­vol­len Stimme von BOZ. Der Rapper kann sel­ten text­lich über­zeu­gen: Entweder wur­den die Themen schon zu oft durch­ge­kaut oder seine Denkart er­scheint ein­fach als we­nig aus­ge­reift. Der Track "Biatch" bei­spiels­weise zeigt ein be­schränk­tes Frauenbild in ex­tre­mer Weise. Der durch und durch se­xis­ti­sche Song schließt mit Zeilen, die bei­nahe iro­ni­sch ge­nau das Problem des Rappers um­schrei­ben: "Ich bin nicht bes­ser als du, doch ich hab' ei­nen Schwanz".

Glücklicherweise fin­den sich auf "Made in Germany" auch ei­nige Songs, in de­nen sich BOZ po­li­ti­sch und ge­sell­schaft­lich zu­rück­nimmt und auf seine al­ten Tugenden be­sinnt. "Es tickt" mit Chissmann und Reeperbahn Kareem zum Beispiel ist ein nach­denk­li­cher Song, der Probleme der Interpreten nicht allzu ge­nau be­nennt, aber schlicht und ein­fach durch die Stimmung über­zeu­gen kann. Und das ist es, was BOZ ei­gent­lich am bes­ten kann: mit sei­nem "Chaosflow" und der mit­rei­ßen­den Stimme eine dichte Atmosphäre er­zeu­gen. Dieses Talent nutzt er auf "Made in Germany" viel zu sel­ten, so­dass der Longplayer schnell er­mü­dend wirkt.

(Florian Peking)

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