Schwesta Ewa – Kurwa

Vom Rotlicht zu Xenon, von Xenon zum Scheinwerfer.

Wer in der Vergangenheit von Ewa Müller wühlt, stößt unweigerlich auf die ein oder andere Ungereimtheit: Wie aus Frau Müller die "Schwesta" werden konnte, zum Beispiel. Auch stellt sich die Frage, inwieweit man wirklich dem Frankfurter Bordell-Milieu entfliehen kann, um im Rap-Geschäft auf alles oder nix zu setzen. Mit "Meinst du das ernst?!" bringt Jetset Mehmet bereits im ersten Titel des Debütalbums von Schwesta Ewa eine andere wichtige Frage auf den Punkt.

Auf "Kurwa" schafft die Ex-Prostituierte Klarheit darüber, vor allem mit einer Antwort für Mehmet: Wer an ihr zweifelt, darf gepflegt an den High Heels der Polin lecken – was sie übrigens nicht müde wird zu erwähnen. Ihre Vergangenheit ist die Ost-Europäerin nämlich nie ganz losgeworden. So begleitet sie den Hörer weniger durch 20 Tracks ihres Albums, als auf einer Tour in die Abgründe einer in rotes Licht getauchten Szene. Darauf basierende Songideen wie die für ihre verstorbene Mentorin "Elise" setzen durch thematische Markantheit klare Akzente, wohingegen ihre Representer ("Kurwa") durch Nachlässigkeiten in den Texten komplett verblassen. Im Schatten der Themensongs wirken diese fast effektlos auf den grandios ausproduzierten Oldschool-Samplebeats von AoN-Produzent Reaf sowie The Breed. Viele Features stechen hier deutlich besser heraus. So zum Beispiel Marteria, der auf "Ramba Zamba" den typischen AoN-Flavour perfekt einfangen und verarbeiten kann. In der Betonung und technischen Versiertheit von Ewa hingegen bemerkt man fehlende Routine, die bis zum nächsten Album ausgemerzt werden sollte.

Was am Ende von "Kurwa" übrig bleibt, ist weniger ein Debütalbum als eine Antwort auf vorangegangene Frage – denn ja, sie meint das ernst. Und so schnell wird man Schwesta Ewa auch zum Glück nicht wieder los.

(Sven Aumiller)

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